Luciano Berio: Kol od

Luciano Berio Kol od
Kol od

Luciano Berio: Kol od

Kompositionsjahr:
1996
Untertitel:
(Chemins VI)*
Instrumentierung:
für Trompete und Kammerorchester
Komponist:
Luciano Berio
Solisten:
Trompete
Instrumentierung:
3 1 4 1 - 2 2 1 1 - Cel, Akk, Ssax, Asax, Vl(4), Va(3), Vc(3), Kb(2)
Instrumentierungsdetails:
kleine Flöte
1. Flöte
2. Flöte
Oboe
kleine Klarinette in Es
1. Klarinette in B
2. Klarinette in B
Bassklarinette in B
Sopransaxophon in B
Altsaxophon in Es
Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
Posaune
Basstuba
Celesta
Akkordeon
1. Violine
2. Violine
3. Violine
4. Violine
1. Viola
2. Viola
3. Viola
1. Violoncello
2. Violoncello
3. Violoncello
1. Kontrabass
2. Kontrabass
Anmerkungen:
* zu Sequenza X
Dauer:
20’
Widmung:
per Paul Sacher con profondo affetto e ammirazione, per il suo novantesimo compleanno
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Hörbeispiele

Kol od
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Die Absicht, bereits verwendetes Material wieder aufzunehmen, wie man sie bei Boulez findet, ist auch im Verfahren von Luciano Berio anzutreffen. Es ist bestimmt nicht zufällig, dass der eine wie der andere mit den elaborierten Konzepten von James Joyces Romanen vergleichbar ist. Beim italienischen Komponisten realisiert sich dies jedoch auf andere Weise. Bei ihm handelt es sich weniger um eine Flucht nach vorn als um ein klassisches Vorgehen, das jedoch in einer zeitgenössischen Optik der Transkription neu überdacht wird.

Die mit Chemins überschriebene Werkserie ist eine Neuschreibung der Sequenze für Soloinstrumente in einem konzertierenden Rahmen. So entstammt Chemins I der Sequenza II für Harfe, Chemins II ist aus der Sequenza VI für Bratsche hervorgegangen. Berio hat sich zu diesem Prinzip der Transkription selbst geäußert: „Die Transkription interessiert mich in dem Moment, wo sie sich einer strengen Definition entzieht, in dem Moment, wo sie keine Operation der Vergangenheitsrestauration mehr ist, sei dies einer persönlichen Vergangenheit oder der Vergangenheit unserer kulturellen Geschichte. Die Trankription interessiert mich dann, wenn sie die Musik als ein Ensemble von Virtualitäten zu erforschen und zu entdecken versucht, und nicht nur als ein reales und fertiges Objekt: kurz, wenn sie nicht mehr nur Transkription, sondern bewusste Erfindung ist. (...)

Die Transkription ist (wie vielleicht auch die Parodie) überall: bei Bach und bei Beethoven, die sich unter anderem selbst transkribierten; (...) bei Ravel, Bartók, Webern; bei Strawinsky, der alles transkribierte, bei Maderna, der Gabrieli transkribierte...

Es gibt jedoch Aspekte der Transkription, die mich weniger interessieren: Sagen wir die funktionellen Transkriptionen in der Kunst der Fuge von Bach oder die kulinarischen Transkriptionen seiner Präludien und Fugen für Orgel interessieren mich weit weniger als etwa die Skizzenhefte von Beethoven, in welchen er verschiedene Organisationsformen und Transkriptionen einer Idee versucht; oder das Vorgehen von Strawinsky, der die Noces transkribiert, von Boulez, der Polyphonie X, Livre pour Quatuor und Poésie pour pouvoir transkribiert und Stockhausen, der Kontrapunkte oder Kagel, der musikalische Stereotypen des 19. Jahrhunderts transkribiert...“

Es versteht sich von selbst, dass bei Luciano Berio die Transkription der Sequenze in Chemins nicht nur die Orchestrierung einer Orchesterpartie zur Begleitung der Solopartie ist, sondern dass sie die Umschreibung des Ganzen im Sinn hat, die Solopartie inbegriffen. Es empfiehlt sich, auch KOL OD in der Beziehung zu Sequenza X für Trompete in dieser Hinsicht aufzufassen.

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Uraufführung

Ort:
Basel
Datum:
27.04.1996
Orchester:
Ensemble Intercontemporain
Dirigent:
Pierre Boulez

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