Mauricio Kagel: Unguis incarnatus est

Mauricio Kagel Unguis incarnatus est
Unguis incarnatus est

Mauricio Kagel: Unguis incarnatus est

Kompositionsjahr:
1972
Untertitel:
Nr. 10 aus "Programm. Gespräche mit Kammermusik"
Instrumentierung:
für Klavier und ...
Komponist:
Mauricio Kagel
Instrumentierungsdetails:
Das zweite Instrument ist beliebig zu besetzen (Umfang: Kontra B-C“).
Dauer:
6’
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Hörbeispiele

Unguis incarnatus est
00:00

Werkeinführung

Die ersten fünf Töne, die den melodischen – und zugleich harmonischen – Auftakt dieser Komposition bilden, sind identisch mit dem Beginn des Klavierstücks Nuages Gris von Franz Liszt aus dem Jahr 1881. Gerade in seinen späteren Werken gelangt Liszt zu dem Beweis, dass eine äußerste Intensität des Ausdrucks auch mit einer umfassenden Reduktion der Mittel erreicht werden kann. Diese Beschränkung zugunsten nachhaltiger Wirkung lässt Liszts Rolle als Initiator eines Expressionismus mit „knapp-bemessener Tonanzahl“ erkennen, die erst Jahrzehnte später, jedenfalls in Schönbergs 6 kleinen Klavierstücken op. 19 oder den Bagatellen für Streichquartett von Anton Webern stilistische Würdigung und gerechte Fortsetzung fand. Die kompositorische Beziehung von Unguis Incarnatus Est zu Nuages Gris wäre etwa mit jenen Paraphrasen Liszts zu den Werken anderer Komponisten zu vergleichen, die ihm als Ausgangspunkt der musikalischen Betrachtung dienten. Und wie Liszt ein Anschwellen innewohnender Tendenzen des Modells bewusst betreibt (und auf diese Weise inflationistische Stilmerkmale bei Wagner zum Beispiel bloßstellt), so ähnlich wurde hier verfahren: durch Verharren auf sparsamem Klingen habe ich die innewohnende Stille dieser grauen Wolken und zugleich ihr musikalisches Stillleben zu potenzieren versucht.

Der terminus technicus „incarnatus est“ wird in der Medizin für eingewachsene Nägel verwendet. Es wäre dem Zuhörer gegenüber sicherlich nicht gerecht, würde man die Zusammenhänge zwischen Titel und Komposition eindeutig festlegen. Im Verlauf des Stückes ist mehrfach Gelegenheit geboten, das Stigma des (eingefleischten) Begriffs in Bezug zur dargestellten Musik zu bringen. Die besondere Rolle, die dem Klavierpedal hier zugeteilt wurde, kann sicherlich als vollendetes Indiz zur Enträtselung gewertet werden.

Mauricio Kagel

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Unguis incarnatus est

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Spielpartitur
für Klavier und ... , 6’

Unguis incarnatus est

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für Klavier und ... , 6’

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