Mauricio Sotelo: De amore – Una maschera di cenere

Mauricio Sotelo De amore – Una maschera di cenere
De amore –  Una maschera di cenere

Mauricio Sotelo: De amore – Una maschera di cenere

Kompositionsjahr:
1996-1999
Untertitel:
Kammeroper
Komponist:
Mauricio Sotelo
Textdichter:
Wallace Stevens (07.12.1998)
Librettist:
Peter Mussbach (15.10.1998)
Rollen:
Frau; Mann; 2 Schwestern (2 cantaoras = Flamenco-Sängerinnen); die Maske vom Tonband (cantaor = Flamenco-Sänger)
Chor:
SATB vom Tonband
Instrumentierungsdetails:
Flöte, Klarinette, Saxophon - Violoncello, Kontrabass - Schlagzeug (2) - Klavier - Tonband und Live-Elektronik
Commission:
Stadt München für die Münchener Biennale
Anmerkungen:
Premio Daniel Montori de Música Lírica 2000: "Oper des Jahres 1999"
Dauer:
100’
Widmung:
a Peter Ruzicka
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Werkeinführung

Die dramatische Handlung unserer Oper baut auf einer musikalischen Struktur auf, in deren Komposition einige Elemente - elektronisches Tonband und Instrumentenstimmen - bereits vollständig existieren. Diese schon in früheren Werken bewährte Form ähnelt einem Palindrom mit einer zentralen Achse, an der die Elemente transformiert wieder erscheinen, auf eine andere Raumebene und in eine andere Dimension gehoben, aus einer anderen Perspektive betrachtet. Es handelt sich dabei nicht um das, was in der kompositorischen Terminologie als „Spiegel“ bezeichnet wird, sondern es weist eher eine spiralförmige Struktur auf. Stellen wir uns ein Klangobjekt vor, das sich in konzentrischen Kreisen dreht, die immer kleiner werden und sich rasend schnell einem zentralen Schwerpunkt nähern, von dem sie wieder ausgestoßen werden, um sich in die entgegengesetzte Richtung zu entfernen, wobei sie immer größere, ziellose Kreise beschreiben. Der Librettist, Regisseur und Bühnenbildner Peter Mussbach entdeckte eine seltsame Ähnlichkeit zwischen dieser Form und der Struktur des Liebesdiskurses. Einfach ausgedrückt könnte man es als Begegnung - Vereinigung - Auseinandergehen bezeichnen, worin all die unendlichen Nuancen enthalten sind, die die verschiedenen Liebesgeschichten zugleich charakterisieren und einordnen. Ende und Anfang sind hier ein und dasselbe, ein leeres, verzweifeltes Warten: dem Grauen zu entfliehen, einer Situation des größten Schmerzes zu entkommen, sich endlich der Last der Liebe entledigen zu können oder auf die nächste Liebe zu warten, die uns befreit und erneut mit der Welt versöhnt.

Die Oper beginnt mit dem Epilog und endet mit dem Prolog; im Mittelteil steht die Vereinigung oder Verwirklichung, links von dieser Achse die Hoffnung oder die Erwartung, rechts die Verzweiflung, die Hoffnungslosigkeit und der Schmerz. Zu Beginn erlebt der Zuseher das Drama durch sie, nach dem Durchgang durch die zentrale Achse ist es er, der uns zum tragischen Ende führt. Zwei weibliche Figuren (cantaoras, Flamenco-Sängerinnen) begleiten durchgehend die Handlung, wobei sie - vor allem die ältere Schwester - eine Schlüsselrolle innehaben, da sie die Widerspiegelung der innersten Gefühle der Liebenden sind, die beiden singen, was die Liebenden uns nicht sagen könnten, was sie von ihren eigenen Gefühlen und denen des anderen nicht wissen oder nicht kennen. Die cantaoras sind der Spiegel der Stimmen der Liebenden, Spiegel jener schwachen, aber beeindruckenden Stimme des Geliebten, an die sich die Geliebte bruchstückhaft im Inneren ihres Kopfes erinnert, weit jenseits des Gehörs; eine herzzerreißende und abgezehrte Stimme, die die Geliebte erkennt, da sie aus einer jener Masken ertönt, die in der griechischen Tragödie die magische Funktion hatten, der Stimme einen klonischen Ursprung zu geben und sie zu entstellen, sie gleichsam aus dem unterirdischen Jenseits kommen ließen.

Die Stimmen der cantaoras führen ein Zwiegespräch, nicht mit den Figuren der verlorenen, ekstatischen, verzweifelten Liebenden, sondern mit deren erschöpften Stimmen: sie umkreisen sie, geben ihnen Färbung, beleben sie, sie sind ein Spiel von Tonperspektiven, die wie ein brechender Bergkristall einen sehr tiefen Schmerz, zugleich aber auch spielerische Lichter, Ironie und Spaß, burleria, ausdrücken.

Mauricio Sotelo

Uraufführung

Ort:
München
Datum:
19.04.1999
Dirigent:
Mauricio Sotelo

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