Mauricio Sotelo: Su un oceano di scampanellii

Mauricio Sotelo Su un oceano di scampanellii
Su un oceano di scampanellii

Mauricio Sotelo: Su un oceano di scampanellii

Kompositionsjahr:
1994-1995
Instrumentierung:
für Klavier
Komponist:
Mauricio Sotelo
Inhaltsverzeichnis:
Cadenza (1995) (Teil V = Kadenz aus dem Klavierkonzert "Al fuego, el mar")
Scherzo (1995) (Teile I, II, III, VII, VIII, X)
Anmerkungen:
daraus: Scherzo (I–II–III–VII–VIII–X) [ca. 9'] Cadenza (V) [ca. 3'30"]
Dauer:
24’
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Hörbeispiele

Su un oceano di scampanellii
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Werkeinführung

Dieses kurze Gedicht von Giuseppe Ungaretti enthält nicht nur den Titel des Werkes, es trägt in sich auch den Schlüssel sowohl der Bearbeitung des Klangmaterials als auch des Prozesses der räumlichen Konstruktion oder der formalen Struktur, in die dieses Material projiziert ist.

Der Impuls zu dieser, meiner ersten großen Arbeit für Soloklavier, war ein Auftrag des Spanischen Nationalorchesters im Jahr 1993. Die oft verzweifelte Suche nach der Formulierung einer eigenen Sprache, die sich dem mit einer enormen historischen Bürde belasteten Instrument anpassen sollte, war dabei der erste Schritt. Als vorrangige Aufgabe stellte sich mir daher die Komposition der Cadenza, an deren Niederschrift ich intensiv und ohne Unterbrechung von Ende Juli bis Mitte November desselben Jahres arbeitete; aus dieser Zeit stammen auch die ersten Skizzen für die Komposition eines großen Werkes für Klavier, das diese Cadenza als Hauptachse haben sollte und mit dessen Abfassung ich unmittelbar nach der Fertigstellung des "Konzerts" begann.

Das poetische Bild Ungarettis war damals mein allgegenwärtiger Leitstern bei der Arbeit, die ich mir vorgenommen hatte: die Suche nach einem in tausend Spiegelungen 'zerbrochenen' Klangmaterial, das in der Strenge und mit den beschränkten Mitteln gefunden werden musste, die ein nur schwer zu 'zerbrechendes' Instrument auferlegt; denn seine Stimmung ist festgelegt, die Klangfarbe lässt relativ wenige Variationsmöglichkeiten offen - außer man manipuliert die Saiten in seinem Inneren, ein Verfahren, auf das ich bei diesem Werk bewusst verzichtet habe. Die Notation reduziert sich somit auf die 'weißen und schwarzen' Tasten des Instruments und verlangt vom Interpreten eine große Bandbreite an einfühlsamen Anschlägen, um eine Art 'mikro-intervallisches' Gewebe herzustellen, dessen äußerster Moment ein Abschnitt sein sollte, in dem das Material auf vier Noten des mittleren Registers reduziert ist. Die Anweisung Morente: lento, intenso, con una infinita paleta de grados de intensidad, peso y luminosidad (Morente: langsam, intensiv, mit einer unendlichen Palette von Abstufungen an Intensität, Gewichtung und Leuchtkraft), die diesem Abschnitt vorangestellt ist - eine Hommage an den großen Flamenco-Sänger Enrique Morente, an dessen Gesang, der sich stets in einer Unzahl von expressiven, dynamischen und mikro-intervallischen Nuancen entfaltet, der Pianist den Klang seines Klaviers annähern sollte -, ist zugleich auch eine Definition der gesamten Partitur.

Aus diesem Meer von klangfarblichen, dynamischen und expressiven 'mikro-intervallischen' Qualitäten taucht im Raum nach und nach eine Art mnemonischer lullischer Kreis (Raimundus Lullus, 1235 - 1316) auf, der in neun Räume, Atrien oder Felder geteilt ist, die um einen zentralen Kern (9+1) angesiedelt sind, eben die Cadenza. Dies ist weniger eine formale Konfiguration im traditionellen Sinn als eine spektrale Architektur, die sich ungemein langsam und kreisförmig verlagert, aus der und in die Leere gehoben wird. Ein Diagramm und ein Kreis der Erinnerung, die in ihrer Bewegung die unzähligen Nuancen des Funkelns, der Töne, Spiegelungen und des 'Glockengeläuts' entfalten, die bei der Reibung der Erfahrung mit den äußersten Rändern der Intimität der Seele entstehen.

I               Einleitung

II              Lento, misterioso

III             Scherzo, "por ‘buleria’ alla mente"

IV             Mobile I, omaggio a R. H. R.

V              Cadenza

VI             Mobile II

VII            Scherzo II

VIII           Lento, misterioso

IX             Wiener, "come un ricordo da lontano"

X              Epilog


Mauricio Sotelo

Sonderausgaben

Su un oceano di scampanellii

Mauricio Sotelo: Su un oceano di scampanellii

für Klavier , 24’

Su un oceano di scampanellii

Mauricio Sotelo: Su un oceano di scampanellii

für Klavier , 24’

Uraufführung

Ort:
Saarbrücken
Datum:
16.05.1996

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