Sir Harrison Birtwistle: Secret Theatre

Sir Harrison Birtwistle Secret Theatre
Secret Theatre

Sir Harrison Birtwistle: Secret Theatre

Kompositionsjahr:
1984
Instrumentierung:
für Kammerensemble
Komponist:
Sir Harrison Birtwistle
Instrumentierung:
1 1 1 1 - 1 1 1 0 - Schl(1), Klav, Str(1 1 1 1 1)
Instrumentierungsdetails:
Flöte (+Picc)
Oboe
Klarinette in B
Fagott (+Kfg)
Horn in F
Trompete in C (+klTrp in B)
Posaune
Schlagzeug
Klavier
1. Violine
2. Violine
Viola
Violoncello
Kontrabass
Commission:
Commissioned by the London Sinfonietta (with funds provided by the Arts Council of Great Britain and the London Sinfonietta)
Dauer:
28’
Widmung:
Dedicated to Sheila Birtwistle
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Hörbeispiele

Secret Theatre
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Sowohl Titel als auch Konzeption des Werkes, das 1984 entstand, verweisen auf ein gleichnamiges Gedicht Robert Graves':

"When from your sleepy mind the day's burden
falls like a bushel sack on a barn floor,
be prepared for music, for natural mirages
and for night's incomparable parade of colour.

It is hours past midnight now; a flute signals
far off; we mount the stage as though at random,
boldly ring down the curtain, then dance out our love..."

Secret Theatre ist das letzte Stück in einer Reihe von drei Werken, die Birtwistle im Auftrag der London Sinfonietta komponiert hat. Die Zielsetzungen der beiden vorangegangenen Kompositionen – der Versuch, zwischen prinzipiell divergierenden musikalischen Objekten einen Sinnzusammenhang zu stiften (in Silbury Air, 1977) beziehungsweise aus derb nebeneinander gestellten ostinaten Blöcken einen stringenten Verlauf zu formen (in Carmen Arcadiae Mechanicae Perpetuum, 1977) werden im dritten Teil der "Trilogie" synthetisiert und weiterentwickelt. Hatte Birtwistle zuvor einzelnen Elementen, wie dramatischem Gestus, zeitlichen Verläufen oder Grundpuls, unterschiedliche Aufmerksamkeit geschenkt, so treten sie in Secret Theatre gleichrangig auf, was dem Werk einen fast exemplarischen Charakter für die Komplexität der Klangsprache dieses Komponisten verleiht.

Der poetische Hintergrund ist hierbei mehr assoziatives Umfeld denn programmatischer Inhalt. Zwar werden Flötensignale, Tänze, Träume wie auch Alpträume durchaus greifbar, doch das Offensichtliche tritt zurück zugunsten des schon im Titel angesprochenen Unerklärlichen, sich nach einem geheimen Plan schlüssig Vollziehenden. Birtwistles Aufteilung des Ensembles ist hierbei wohl Ausgangspunkt des rätselhaften Geschehens: die eine Gruppe, als "Cantus" bezeichnet, steht im Vordergrund der Bühne und trägt das melodische Geschehen mit seiner Arbeit in allen denkbaren Formen des Unisono; die andere, das im Hintergrund sitzende "Continuum", ist rhythmisch und chordisch konzipiert, aus verschiedenen, teilweise sich überdeckenden und vernetzenden Ostinati.

Aus dieser Gegenüberstellung der beiden Instrumentengruppen, ihrem ständigen Wechsel zwischen Zusammenarbeit und Auseinandersetzung wie auch der musikalisch-klanglichen Opposition ergibt sich der eine geheimnisvolle Plan des Stückes. Der andere entsteht aus den stets sich neu entwickelnden Funktionen der Instrumente innerhalb ihrer Einheit, zumal die Besetzung der beiden Klangkörper dauerndem Wandel unterworfen ist. So treten zu den typischen ''Cantus"-Instrumenten Flöte, Oboe und Klarinette bisweilen auch die Violinen, die Trompete oder das Horn mit solistischen Aufgaben hin. Möglicherweise liegt der Schlüssel zur Enträtselung des Secret Theatre im Fagott der "Continuum"-Gruppe, das den thematischen Zusammenhang zwischen den beiden Einheiten herstellt.

Christian Lackner

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Uraufführung

Ort:
London
Datum:
18.10.1984
Orchester:
London Sinfonietta
Dirigent:
David Atherton

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