Wolfgang Rihm: Antlitz

Wolfgang Rihm Antlitz
Antlitz

Wolfgang Rihm: Antlitz

Kompositionsjahr:
1992-1993
Untertitel:
Zeichnung
Instrumentierung:
für Violine und Klavier
Komponist:
Wolfgang Rihm
Commission:
Auftrag der Philharmonie Köln / Köln Musik
Anmerkungen:
Kurt Kocherscheidt
Dauer:
12’
Widmung:
für Thomas Zehetmair und Siegfried Mauser
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Hörbeispiele

Antlitz
00:00

Werkeinführung

Antlitz heißt die so beginnende jüngste Komposition von Wolfgang Rihm. Der Untertitel führt schon ein bisschen weiter: Zeichnung für Violine und Klavier. In der Tat: Was sich in den folgenden zehn Minuten ereignet, könnte man analog zu beschreiben versuchen als das zögernde, immer wieder sich selber unterbrechende Skizzieren mit Hilfe eines Griffels, einer Feder, eines weichen Stiftes, das Konturen umreißt, lückenhaft und in Sprüngen, das hier und da etwas schraffiert, aber auch weiße Flächen belässt, das meiste allenfalls andeutet.

„Sehr langsam" verlangt die Tempobezeichnung, zwischen 30 und 40 Schläge in der Minute. So sind es mehr stehende Klänge, die sich nebeneinandersetzen, sich gegenseitig ablösen, aufeinander reagieren; Klänge auch, aus denen Teile herausbröckeln oder die in sich zusammensinken, indem ein Bestandteil nach dem anderen verschwindet; Klänge, deren „Erinnerung" festgehalten wird vom Sostenuto der nie „aktiven", aber doch entdämpften Saiten des Klaviers, zarte, herbe, fahle Klänge - der Geiger muss sehr oft ohne jedes Vibrato spielen. Allenfalls auf dem Scheitelpunkt der Bogenform auch aggressive, schreiende, peitschend-schrille Klänge - Emotionen sind in diesem Werk auf minimale Andeutungen reduziert. Klänge, die Assoziationen wecken, was aber in die Irre führt: ,Es ist kein Visuelles gesucht, sondern der Klang ist das Gesuchte." Klänge, die auf einen rationalen Hintergrund schließen lassen könnten, was aber sowohl zu wenig wie zuviel verspräche: „Wenn ich hinter eine Komposition den Doppelstrich setze, habe ich kein Geheimnis gelüftet; es wird lediglich ein anderes Geheimnis, das Stück nämlich, hörbar."

Heinz Josef Herbort

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Uraufführung

Ort:
Köln
Datum:
09.05.1993

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