Wolfgang Rihm: Deutsches Stück mit Hamlet

Wolfgang Rihm Deutsches Stück mit Hamlet
Deutsches Stück mit Hamlet

Wolfgang Rihm: Deutsches Stück mit Hamlet

Kompositionsjahr:
1997-1998
Instrumentierung:
für Mezzosopran, Bariton und Orchester
Komponist:
Wolfgang Rihm
Textdichter:
Gottfried Benn; Erich Mühsam (1909); Georg Herwegh; Friedrich Hölderlin; Ferdinand Freiligrath; Johann Wolfgang von Goethe; Heiner Müller; Heinrich Heine
Solisten:
Mezzosopran, Bariton
Instrumentierung:
3 2 2 3 - 4 3 3 1 - Pk, Schl(2), Hf, Klav, Str
Instrumentierungsdetails:
kleine Flöte
1. Flöte
2. Flöte
1. Oboe
2. Oboe (+Eh)
1. Klarinette in A
2. Klarinette in A (+Bkl(B))
1. Fagott
2. Fagott
Kontrafagott
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
Tuba
Pauken
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
Harfe
Klavier (+Cel)
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Commission:
Deutsches Symphonieorchester Berlin
Dauer:
30’
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Hörbeispiele

Deutsches Stück mit Hamlet
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

„Freiheit beginnt da, wo man genau hinschaut..."

Wolfgang Rihms Auftragswerk Deutsches Stück mit Hamlet für Mezzosopran, Bariton und Orchester anlässlich der Gedenkfeiern zur Revolution 1848 in Deutschland entstand anhand von acht unterschiedlichen Texten. Diese Gedichte und Gedichtfragmente von Mühsam, Goethe, Herwegh, Freiligrath, Müller, Heine, Benn und Hölderlin beschreiben eine Fülle von persönlichen Gedanken und patriotischen Appellen. Es sind ungeahnt aktuelle Worte mit einer historischen Perspektive, feststellend und fragend, erschütternd. Rihm möchte wichtige Aspekte der menschlichen Freiheit möglichst verständlich und „gefasst" darstellen. Die Musik bringt zusätzliche, doch bewusst keine neuartigen oder gar revolutionären Elemente ein.

Das Werk gestaltet sich, gemäß der Vorlage, als rhapsodischer Liederzyklus von acht fortlaufenden Orchesterliedern für Mezzosopran und/oder Bariton. Jedes Gedicht beinhaltet eigene Gesten, die trotz unterschiedlicher Vertonung einige gemeinsame Faktoren erkennen lassen: auffällige oder zentrale Textpassagen erhalten in der Musik tonale Momente des Staunens und des Aufblühens. Rhythmische und melodische Motive des jeweiligen Abschnittes treten dort zugunsten eines Innehaltens oder Höhepunktes zurück. Das Wort-Ton-Verhältnis ist der wesentliche Impuls dieser Komposition.

Rihms tonal gefärbte Musiksprache erscheint trotz ihrer Komplexität und Expressivität sehr transparent und vertraut. Der Orchesterpart bildet eine klangreiche Basis für die anspruchsvollen Vokalstimmen, deren Diktion wiederum in einzelnen Instrumentengruppen subtil verarbeitet wird. Besonders raffiniert gestaltet Rihm klangliche und formale Übergänge und Verläufe, selbst enorme Gegensätze entwickeln sich meist natürlich aus dem bestehenden Material.

Das Stück beginnt mit der schmerzvollen Erfahrung der individuellen Unfreiheit, fragend, doch eigentlich verzweifelt. Beinahe zynisch wirkt folglich das Duett über Goethes Problem, ein wirres und statisches Stimmengeflecht mit bizarren melodischen Fetzen, eingebettet in „ruhig fließende[s] Walzertempo". Ätherische Klänge fuhren zu Georg Herweghs patriotischer Strophe, die durch ein marschähnliches Ostinato an beklemmend militante Revolutionsbilder erinnert. „Deutschland ist Hamlet!" gerät zu einem Lamento mit beinahe bösartigem Abgang. Als fünftes Bild zitiert Rihm eine Szene seines Werkes Die Hamletmaschine. Tanzende, teils markante Impulse des Orchesters heben sich von den rezitativischen Einschüben des Baritons ab. An ein Volkslied lässt zunächst die Vertonung des Heine-Textes denken, bis schließlich „...die deutsche Nationalität..." (sie!) als salbungsvoller Hymnus erscheint. Doch nun wird der Zyklus brüchig. Text und Musik möchten versöhnen, doch der Duktus zerfließt. Einzelelemente treten hervor, Spannung und Ausdruckskraft münden in ein beruhigendes Fragment Friedrich Hölderlins, nach Rihm „eine Idee des Demokratischen in einem Satz".

„Das Werk ist gedacht als Strom einer Individualität, die die Fähigkeiten hat, in diesen verschiedenen Prismen zu denken. Als ob jetzt diese verschiedenen Individualitäten, die durch die Texte in einer Person zusammengekommen wären und die/der in ihrer/seiner Absichtslosigkeit nachdenkt, im Denken von Gedanken aufs Nächste geworfen wird; [...] aber nicht bei einer Erklärung halt macht, nicht bei einer Abbildung abblockt, nicht bei einem Ergebnis stillhält, sondern in Tätigkeit gebracht ist." (sämtliche Zitate von W. Rihm)

Werkbetrachtung von Mag. Christoph Hinterberger

Uraufführung

Ort:
Frankfurt am Main
Datum:
18.05.1998
Orchester:
Deutsches SO Berlin
Dirigent:
Gerd Albrecht

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