Wolfgang Rihm: Ende der Handschrift

Wolfgang Rihm Ende der Handschrift
Ende der Handschrift

Wolfgang Rihm: Ende der Handschrift

Kompositionsjahr:
1999
Instrumentierung:
für Gesang und Klavier
Komponist:
Wolfgang Rihm
Textdichter:
Heiner Müller
Inhaltsverzeichnis:
"Glückloser Engel 2"
"Nature morte"
"Blaupause"
"Leere Zeit"
"Traumwald"
Im ächten Manne...
Mit der Wiederkehr der Farbe...
...Und gehe weiter in die Landschaft...
Wie einen Schatten hat Gott...
"Drama"
Geh Ariel bring den Sturm...
Dauer:
25’
Widmung:
für Cristoph Prégardien
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Hörbeispiele

Ende der Handschrift
00:00

Werkeinführung

Wolfgang Rihms Vertonung einer Auswahl von Liedern nach späten Gedichten von Heiner Müller Ende der Handschrift beschwört eine ganz andere Atmosphäre, wie diese in dem Gedicht Ende der Handschrift (1995) von Heiner Müller anklingt, welches dem Zyklus als gleichnamiges „Motto“ vorangestellt wurde: „Neuerdings wenn ich etwas aufschreiben will / Einen Satz ein Gedicht eine Weisheit / Sträubt meine Hand sich gegen den Schreibzwang / Dem mein Kopf sie unterwerfen will / Die Schrift wird unlesbar / Nur die Schreibmaschine / Hält mich noch aus dem Abgrund dem Schweigen / Das der Protagonist meiner Zukunft ist.“

Heiner Müllers ganz besondere Sprachpoesie, mit der sich Rihm schon in seiner Oper Hamletmaschine (1983 – 1986) intensiv beschäftigt hat, verbindet die geistige wie politische Desillusionierung des modernen Menschen mit einer dennoch unstillbaren Sehnsucht nach Glück und Wahrheit. Ein Sujet, welches Rihm zudem verwandt ist in seinem Bewusstsein, das Individuum am „Abgrund“ zu wissen, den es physisch auszuhalten und zugleich via Reflexion in das eigene Leben als bewusste Komponente zu integrieren hat. In diesem Sinne zeichnen seine Vertonungen das im Text jeweils entworfene Auratische nach, wie etwas in Nr. 2, „Nature morte“, wenn zu den Textzeilen „der Mond war noch nicht aufgegangen“ hier in Text und Musik das Original von Matthias Claudius und Johann Abraham Peter Schulz, „Der Mond ist aufgegangen“, durchschimmert. Die Palette des Ausdrucks deckt dabei ein weites Spektrum ab – von dem der Gegenwart abhanden gekommenen „Glücklosen Engel 2“, Nr. 1, der die Rastlosigkeit des Alltags monierenden „Blaupause“, Nr. 3, oder dem verwunschenen, Kinderträume aufsuchenden „Traumwald“, Nr. 5.

Joachim Brügge

Aus dem Programmheft der Salzburger Festspiele 2000

Aus unserem Onlineshop

Uraufführung

Ort:
Badenweiler
Datum:
17.03.2000

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