Wolfgang Rihm: Marsyas

Wolfgang Rihm Marsyas
Marsyas

Wolfgang Rihm: Marsyas

Kompositionsjahr:
1998-1999
Untertitel:
Rhapsodie
Version:
2. Fassung
Instrumentierung:
für Trompete mit Schlagzeug und Orchester
Komponist:
Wolfgang Rihm
Solisten:
Trompete in C, Schlagzeug (Marimba, 7 Trommeln)
Instrumentierung:
3 2 2 2 - 4 3 3 1 - Pk, Schl(3), Hf, Klav, Str(14 12 10 8 6)
Instrumentierungsdetails:
kleine Flöte
1. Flöte
2. Flöte
1. Oboe
2. Oboe (+Eh)
1. Klarinette in A
2. Klarinette in A
1. Fagott
2. Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
Tuba
Pauken
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
3. Schlagzeug
Harfe
Klavier
Violine I(14)
Violine II(12)
Viola(10)
Violoncello(8)
Kontrabass(6)
Commission:
Friedrich Georg Hoepfner
Anmerkungen:
1. Fassung (Szene für Trompete mit Schlagzeug und Orchester) wurde zurückgezogen.
Dauer:
16’
Widmung:
geschrieben für Reinhold Friedrich
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Hörbeispiele

Marsyas
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

MARSYAS ODER DER GEHÄUTETE KÜNSTLER

Der Marsyas-Mythos, Gegenstand der Komposition Wolfgang Rihms, existiert in verschiedenen Überlieferungen. In Syrien und Kleinasien galt Marsyas als Quelldämon, in der griechischen Mythologie wurde er zum Satyr, zum Virtuosen des Aulos, zum Streiter für die Musik. Er soll das Instrument mit dem charakteristischen Doppelrohrblatt sogar erfunden haben, doch die attische Sage nennt Athena als dessen Schöpferin.

Das Spiel auf dem Aulos machte Athena indes nicht froh: Entsetzt vom Anblick ihres vom Atem geblähten und entstellten Gesichts im Spiegel eines Gewässers warf sie das Instrument von sich. Marsyas griff es begierig auf und blies so schön, daß seine Zuhörer sogleich begeistert waren. An diese legendäre Fertigkeit knüpft eine weitere griechische Überlieferung an: Marsyas, beflügelt vom eigenen Können, fordert Apoll zum musikalischen Zweikampf heraus - und unterliegt. Die Musen entscheiden gegen ihn und liefern Marsyas der Willkür des Siegers aus. Die ist schrecklich und führt zu einer rituellen Häutung. Apoll hängt Marsyas an den Füßen auf und schindet ihn. Die Haut des kühnen und glücklosen Bläsers soll auf dem Markt des phrygischen Kelainai wundersam vibriert haben, wenn sie der Klang der Auloi traf. Hintergrund des barbarischen Akts ist der Dualismus von Geist und Gefühl. Apoll und Marsyas vertreten gleichsam zwei ästhetische Prinzipien.

Der Mund des Bläsers, voll von seinem Instrument, läßt keine sprachliche Äußerung zu, die dem Spieler der Leier, also Apoll, durchaus möglich ist. Die musikalische Kunst des Gottes ist intellektuell, die seines Gegenspielers ganz Empfindung und Gefühl: Schönheit und Emotion werden ihm zum Verhängnis. Indem Apoll Marsyas seines Gefühlsorgans, nämlich der Haut, beraubt, wird er zu dessen Lehrmeister: Nicht der nur fühlende, sondern auch denkende Mensch gereicht zum wahren Künstler. Gleichwohl ist Marsyas selbst Symbol für den Künstler, den Musiker, den Komponisten schlechthin. Der Kritik und dem Selbstzweifel ausgesetzt, fühlt auch er sich gehäutet. Die Musik Wolfgang Rihms spiegelt die mythische Aura dieser geheimnisumwobenen Sagenfigur im Klang eines reich instrumentierten Orchesters und einer szenischen Rhapsodie, in der die Trompete als deren Protagonist vor allem durch die tönende Beschwörung des Schlagzeugs grundiert wird.

Gregor Sylvester

Uraufführung

Ort:
Karlsruhe
Datum:
01.11.1998
Orchester:
Badische Staatskapelle
Dirigent:
Kazushi Ono

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