Wolfgang Rihm: Tutuguri

Wolfgang Rihm Tutuguri
Tutuguri

Wolfgang Rihm: Tutuguri

Kompositionsjahr:
1980-1982
Untertitel:
Poème dansé, Ballett
Instrumentierung:
für großes Orchester, Chor vom Tonband und Sprecher
Komponist:
Wolfgang Rihm
Textdichter:
Antonin Artaud
Instrumentierung:
3 3 3 3 - 4 3 3 1 - Pk, Schl(10), Hf, Klav, Tonbd, Str
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte (+Picc)
2. Flöte (+Picc)
3. Flöte (+Picc)
1. Oboe
2. Oboe
3. Oboe (+Eh)
1. Klarinette in B
2. Klarinette in B (+Bkl(B))
3. Klarinette in B (+Bkl(B))
1. Fagott
2. Fagott (+Kfg)
3. Fagott (+Kfg)
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Trompete in C
2. Trompete in C
3. Trompete in C
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
Tuba
Pauken
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
3. Schlagzeug
4. Schlagzeug
5. Schlagzeug
6. Schlagzeug
7. Schlagzeug (4 Spieler im Auditorium)
Harfe
Klavier
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
gemischter Chor vom Tonband
Commission:
Kompositionsauftrag der Deutschen Oper, Berlin
Anmerkungen:
4 Tam-Tam Spieler bilden mit ihrem Instrument Inseln in der Halle
Dauer:
100’
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Hörbeispiele

Tutuguri
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Beim ersten Lesen des Artaud-Textes: Musikstrom, Musik-Sturz.

Wie um einen Magnet: Anlagerung von Musik. Bald nicht allein nur das Gedicht als Ausgangs-punkt, mehr die Konzeption des Artaud’schen Theaters.

Erste Vorstellung einer choreographischen Realisierung nur mit dieser Musik und Artauds Theatervision, also weg vom Subjekt-Handlungstheater (bezogene Einzelcharaktere), hin zu einem rituellen Theater, das selbst Subjekt ist (geschüttelte Kollektive).

Konsequenz für die Musik: sie kann nicht länger Verknüpfungsfiguration sein, Arrangement von mehr oder weniger historisch reflektierten Modellen, sondern sie muß – ein (mein) alter Wunsch – im Rohzustand, als sie selbst, nackt, als Zustand von Musik auf uns kommen. Sie muß Ruf werden.

Natürlich steht hinter der Idee vom Musikstrom: der Wunsch einer befreit-freien Musik, nur ihren eigenen Zwängen hörig, „Triebleben“ der Klänge, aus- und eingespannt im Phantasiediktat. Im Grund: der Wunsch nach totaler Freiheit, keine Gesetzmäßigkeit außer der Eigengesetzlichkeit. Diese aber wird immer schärfer, gespannter, unduldsamer und sprengähiger: weil Musik das peinlich-genaue Notat kennt.

Auch die Musik zu Tutuguri wird immer nackter. Alle Energien sind sonst in der Musik auf Zusammenhang bin gepolt – Artauds Text ruft keinen Zusammenhang hervor, setzt das Gegenbild dazu: Sprengung. Musik fügt sich ständig: umso schwerer ist es, aus dem Zusammenhängenden zu stürzen, um das ohne Zusammenhang Zwingende zu erreichen. Die Unbezogenheit der Teile in unabänderlichem Zeitsog.

Vorstellung eines dunklen und grellen Kultes.

Die freien und wilden Anrufungen des ersten Teiles bekommen das pure Dröhnen zur Antwort: den Schlag als Beginn von Musik und ihr Ende … (frei oder wild sind da überhaupt keine Kategorien mehr).

Suche nach reflexhafter Musik, nach einem Klang-Körper, dessen Zuckung und Umformung Melos, Rhythmus und Farbe wird (kein Dualismus, Auflehnung gegen Ja-Nein- Zwang).

Gegen Ende: Auslöschung der Farbe, Aufhebung jeder Verbindlichkeit von Entwicklung außer der innermusikalischen.

Musikalisch bedeutet das: den Weg vom Stil in den Klang, in den Vor-Ton. Die Hoffnung, im Niegehörten zu münden.

Die uneingestandene Angst vor der minütlichen Vernichtung drängt nicht mehr aufhaltbar ins Bewußtsein; ohne Absicht steht der Versuch in Atavistisches zu gelangen vor der Gegenwart — wo das Vorweltliche anscheinend beheimatet ist.

Wolfgang Rihm

Aus unserem Onlineshop

Kommende Aufführungen

02 Jun

Tutuguri

Theaterhaus Pragsattel, Stuttgart (DE)

Uraufführung

Ort:
Berlin
Datum:
12.11.1982
Dirigent:
Arturo Tamayo

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