Wolfgang Rihm: Zwiesprache

Wolfgang Rihm Zwiesprache
Zwiesprache

Wolfgang Rihm: Zwiesprache

Kompositionsjahr:
1999
Instrumentierung:
für Klavier
Komponist:
Wolfgang Rihm
Inhaltsverzeichnis:
Alfred Schlee in memoriam
Paul Sacher in memoriam
Heinrich Klotz in memoriam
Hans Heinrich Eggebrecht in memoriam
Hermann Wiesler in memoriam
Dauer:
16’
Widmung:
1: Alfred Schlee in memoriam 2: Paul Sacher in memoriam 3: Heinrich Klotz in memoriam 4: Hans Heinrich Eggebrecht in memoriam 5: Hermann Wiesler in memoriam
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Hörbeispiele

Zwiesprache
00:00

Werkeinführung

„Millenium“ - ein Zufall. DAS Millenium - DER Zufall einer zufällig herrschenden Bürokratie. Die Hauptsorge bleibt: werden die Computer abstürzen? Mehr nicht.

Vom Leben aus gesehen ist der Tod DER Zufall. Der Zufall als Ziel? Einer unvordenklichen Beginnlosigkeit ist der scheinbar deutlich gesetzte Schnitt ans Nichts beigegeben. Aber es gibt nur Übergänge. Ist das Trost?

1999 - in diesem Jahr starben fünf Männer, deren Freundschaft und Wissen ich sehr viel verdanke:

der Verleger Alfred Schlee

der Dirigent und Förderer Paul Sacher

der Kunstwissenschaftler Heinrich Klotz

der Musikwissenschaftler Hans Heinrich Eggebrecht

Und - heute, am 22. November 1999, da mich die fordernde Mahnung erreicht, einen erklärenden Text zu Zwiesprache zu liefern (es gäbe sogar eine „Deadline“) erhalte ich die Nachricht, dass der engste Freund in Berlin, der Kunstwissenschaftler Hermann Wiesler, plötzlich einem Herzinfarkt erlegen ist.

Jedem dieser Toten habe ich ein kleines Klavierstück nachgerufen. Versuche intimen Dialogs über die Zufälle hin: Zwiesprachen. Aber der Tod antwortet nie. Paul Valery hat diese dröhnende Antwortlosigkeit in ein tiefes Bild gebracht: „Der Tod spricht mit schwerer Stimme zu uns und sagt doch nichts.“ (Paul Valery: „ Cahiers/Hefte 6“, Frankfurt a. M. 1993, S. 619)

Benommen schrieb ich also ein fünftes Klavierstück. Es wäre - als klingender „Text“ - die beste Einführung. So wie das nächste Stück immer die beste Einführung in die vorhergegangenen Stücke ist: Kunst ist nur durch Kunst erklärbar, wenn überhaupt.

Musik bedarf (zur Erklärung?) immer der Musik, die sie mit jedem Ton, der erklingt, weiter ermöglicht. Denn sie ist nicht der Tod.

Wolfgang Rihm

Aus unserem Onlineshop

Uraufführung

Ort:
New York
Datum:
02.03.2000

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