Zoltán Kodály: Háry János-Suite (Bearbeiter: Glenn Cliff Bainum)

Zoltán Kodály Háry János-Suite
Háry János-Suite

Zoltán Kodály: Háry János-Suite (Bearbeiter: Glenn Cliff Bainum)

Kompositionsjahr:
1927
Instrumentierung:
für Blasorchester
Komponist:
Zoltán Kodály
Bearbeiter:
Glenn Cliff Bainum (1996)
Herausgeber:
Valerie G. Martin; Mallory Thompson
Instrumentierung:
3 3 6 3 - 4 2 3 1 - Pk, Schl(6), Cel, Klav, 2 Asax(Es), Tsax(B), Barsax(Es), 3 Kor(B), Euph, Kb
Instrumentierungsdetails:
kleine Flöte
1. Flöte (+Picc.)
2. Flöte
1. Oboe
2. Oboe
Englischhorn
1. Klarinette in B
2. Klarinette in B
3. Klarinette in B
kleine Klarinette in Es
Bassklarinette in B
Kontrabassklarinette in B
1. Altsaxophon in Es
2. Altsaxophon in Es
Tenorsaxophon in B
Baritonsaxophon in Es
1. Fagott
2. Fagott
Kontrafagott
1. Kornett in B
2. Kornett in B
3. Kornett in B
1. Trompete in B
2. Trompete in B
1. Horn in F
2. Horn in F
3. Horn in F
4. Horn in F
1. Posaune
2. Posaune
3. Posaune
Euphonium
Tuba
Kontrabass
Klavier
Celesta
Pauken
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
3. Schlagzeug
4. Schlagzeug
5. Schlagzeug
6. Schlagzeug
Inhaltsverzeichnis:
1. Vorspiel - Das Märchen beginnt / Prelude - The Fairy Tale begins
2. Wiener Glockenspiel / Viennese Musical Clock
3. Lied / Song
4. Schlacht und Niederlage Napoleons / The Battle and Defeat of Napoleon
5. Intermezzo
6. Einzug des kaiserlichen Hofes / Entrance of the Emperor and His Court
Dauer:
23’
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Unter dem Titel Háry János veröffentlichte Zoltan Kodály zwei Werke. Das eine ist ein Singspiel, das am 16. Oktober 1926 im königlich-ungarischen Opernhaus Budapest uraufgeführt wurde. Das andere, nach der Musik des Bühnenwerkes, ist die gleichnamige Orchestersuite in sechs Sätzen, erstaufgeführt durch das Orchester Pau Casals am 24. März 1927 in Barcelona. Dirigent der Budapester Uraufführung war Nándor Rékai, jener der Erstaufführung in Barcelona Antal Fleischer. Die Suite gelangte bereits im selben Jahr nach Amerika, wobei die beiden ersten Aufführungen in der New Yorker Carnegie Hall unter der Leitung von Willem Mengelberg am 15. und 16. Dezember 1927 stattfanden.

Die Anregung zur Komposition der Suite soll Kodály von Béla Bartók erhalten haben; nach dem skandalösen Durchfall dessen Pantomime Der wunderbare Mandarin wollte Bartók das Weiterleben seiner Musik in Form einer Suite wenigstens im Konzertsaal sichern. Kodály, obwohl sein Singspiel auf der ungarischen Bühne einen Riesenerfolg erntete, folgte dem Rat des Freundes und schuf damit das meistgespielte Orchesterwerk seines OEuvres.

Der Weg der beiden Háry János-Kompositionen – jener des Bühnenwerkes und jener der Konzertsuite – verzweigte sich allerdings gleich nach den Premieren. Das ungarische Publikum verstand sofort die „übermusikalische“ Botschaft des Bühnenwerkes, nämlich, dass in den vier „Abenteuern“ Hárys ein Traum von der Freiheit einer unterdrückten Nation, eines leidenden Volks zum Leben erweckt wird. Dieser historisch-gesellschaftliche Themen-Typus erschien durch Ferenc Erkels Werke auf der ungarischen Opernbühne des 19. Jahrhunderts; der Geist dieser Gattung lebte, durch Ausdrucksmittel des Märchens, der Ironie und der Volksmusik ergänzt, in Kodálys Singspiel weiter. Háry, der arme Bauernbursche, flüchtet aus dem grauen und kalten Alltag, träumt sich zum unbesiegbaren Helden und findet in diesen bunten Träumen Trost und Genugtuung. Die Botschaft war für das ungarische Publikum, das im Laufe seiner Geschichte eine ganze Reihe Tragödien erlebt und überlebt hatte, von Anfang an eine Evidenz, die ohne Zweifel zum bis heute unverändert großen Erfolg des Bühnenwerkes in Kodálys Heimat beigetragen hat. Diese Botschaft allerdings verstand das Publikum außerhalb Ungarns nicht so deutlich und erwies sich eher als ein hemmender Faktor in der internationalen Verbreitung der Bühnenversion.

Um die Konzertsuite zu verstehen, braucht man jedoch den Geist der ungarischen Geschichte nicht zu kennen. Die sechs Sätze der Suite bilden eine Folge lyrischer, heroischer und lustiger Charakterbilder mit einem ungarischen Tanz, einer spielerischen Schlachtenszene, einem komischen Trauermarsch und einem bunten, bewegten Finale, ohne dabei der Dramaturgie des Bühnenwerkes zu folgen. Das Orchesterwerk verbreitete sich mit der Geschwindigkeit eines Lauffeuers in der ganzen Welt. Allein in den ersten drei vollen Jahren nach der Premiere (1928–1930) erklang es in etwa 80 Städten, von Aachen bis Zürich, in 150 Aufführungen. Die berühmtesten Dirigenten, von Ernest Ansermet bis Arturo Toscanini, von Fritz Reiner bis Leopold Stokowsky, beeilten sich, das Werk in ihre Programme aufzunehmen. Kodály selbst dirigierte die Háry János-Suite zum ersten Mal am 30. August 1928 in der Queens Hall, London.

Die ungarische Erstaufführung der Suite fand durch die Budapester Philharmoniker am 17. März 1929, dem Geburtstag von Kodálys Frau Emma, unter der Leitung des Komponisten statt. Dem Konzert wohnten Béla und Ditta Bartók bei. Letztere schrieb mit Bleistift auf das Titelblatt der Dirigierpartitur Kodálys: „Emma, nagyon szép nap van ma! És legyen még sok ilyen!! B. és D. 1929. III. 17.“ (Emma, wir haben heute einen sehr schönen Tag! Möge es noch viele solche geben!! B. und D. 17. III. 1929.)

Háry János – oder, wie er in der kaiserlichen Armee genannt wurde: Johannes Háry – war eine historische Figur, ein Soldat des Kaisers Franz. Ein Husar war er zwar nicht, noch weniger ein General, aber als Infanterist doch ein Teilnehmer der napoleonischen Kriege. Als ausgedienter Soldat ging er nach Hause ins transdanubische Komitat Tolna, um den ehrbaren Beruf eines Töpfers auszuüben. Abends pflegte er seine Zechkumpane in der Dorfschenke – unter anderen den dicken Schultheißen und den listigen Studenten – durch seine wunderbaren Erlebnisse zu ergötzen, die nie stattgefunden hatten. Nach diesen Geschichten entstand 1843 das komische Epos Az obsitos (Der ausgediente Soldat) von János Garay (1812–1853). Dieses Epos diente als unmittelbare literarische Vorlage zum Libretto des Singspiels Háry János von Zsolt Harsányi (1887–1943) und Béla Paulini (1881–1945), das 1925 / 1926 von Kodàly vertont wurde. Nichts beweist die Popularität des Bühnenhelden besser als die Tatsache, dass der Ausdruck „Háryade“ in der ungarischen Sprache ein Synonym für erfundene Heldengeschichten wurde.

Kodály betrachtete seinen Helden allerdings nicht als Lügner oder als eine Art Baron Münchhausen. Seiner Aussage nach ist „Háry die verkörperte ungarische Phantasie, die Phantasie, die Märchen erschafft. Er lügt nicht, er erzählt vielmehr Märchen: er ist ein Dichter. Was er erzählt, ist niemals geschehen, doch er hat es erlebt, somit ist es also wahr, ja wahrhaftiger als die Wirklichkeit.“

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