Zygmunt Krauze: Konzert

Zygmunt Krauze Konzert
Konzert

Zygmunt Krauze: Konzert

Kompositionsjahr:
1976
Instrumentierung:
für Klavier und Orchester
Komponist:
Zygmunt Krauze
Solisten:
Klavier
Instrumentierung:
0 0 0 0 - 3 2 1 0 - Akk(2), Asax, Tsax, Barsax, E-Git(2) - Vl(20), Va(8), Vc(8), Kb(4)
Instrumentierungsdetails:
0 0 0 Alt-, Tenor-, Baritonsax. 0 - 3 2 1 0 - 2 Akkordeons, 2 elektrische Gitarren - 20 Vl., 8 Vla., 8 Vcl., 4 Kb.
Dauer:
20’
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Hörbeispiele

Konzert
00:00

Werkeinführung

Das Klavierkonzert besteht aus einem Teil, seine Ausführung dauert ungefähr 20 Minuten. In der Orchesterpartie treten weder Schlagzeug noch die Mehrzahl der Holz- und Blechinstrumente auf, dagegen wird es durch zwei Akkordeons, zwei elektrische Gitarren und drei Saxophone ergänzt.

Die Solopartie hat in dem Klavierkonzert die vorherrschende Rolle. Alle neuen, im Laufe der Entwicklung des Werkes auftauchenden Elemente werden vom Klavier initiiert. Die Solopartie nimmt ohne Unterbrechung vom Anfang bis zum Ende des Konzerts teil, so dass dem Orchester die Rolle eines Begleiters oder Mitspielenden zufällt. Die ganze Solopartie des Klaviers ist ohne jeglichen Taktstrich geschrieben. Doch ist sie dank einer genauen rhythmischen Aufzeichnung mit der Orchesterpartie synchronisiert, die im gleich bleibenden Metrum 4/4 notiert ist. Die Unterlassung der Taktstriche war durch die Ausführung bedingt. Der Klavierspieler, der die Musik auf diese Weise notiert bekommt, kann sie mit stärkerem Ausdruck, auf seine Weise ausführen, vor allem auch darum, weil diese Musik den Charakter von Kadenzen und Improvisationen bei oft angewandtem Rubato trägt.

Der Klavierspieler hat eine ziemlich schwere Solopartie zu bewältigen, die jedoch durch ihr Spiel selbst eine Art physischen Wohlgefallens gewährt. Indem ich das rein motorische, pianistische Element berücksichtigte, bemühte ich mich jedoch, es durchaus der Notwendigkeit der musikalischen Entwicklung unterzuordnen. Die am öftesten angewandte Technik ist die Wiederholung eines oder einiger Töne. Das Bild der Klavierpartitur kann in gewissem Maße an Werke erinnern, die für ungarisches Cimbalom geschrieben sind.

Als ich das Klavierkonzert schrieb, bemühte ich mich, andere, heutzutage oder auch früher geschriebene Musik zu vergessen, ja, ich bemühte mich sogar, mich von meinen eigenen Kompositionen abzutrennen. Gewiss ist bei einer Arbeit an einem neuen Werk dieses Gefühl, dieser Wunsch der Loslösung von der uns umgebenden Musik immer wach, doch dieses Mal war dieses Gefühl besonders stark. Im Verhältnis zu meiner früheren Musik habe ich auf den Grundsatz einer einheitlichen Form verzichtet, ich gab an dieser Stelle eine zwar nicht kontrastierende und keine Konflikte aufweisende Form, sondern eine, die aus einigen verschiedenen Elementen besteht. Diese Elemente-Segmente formen eine Reihe, die man – bei starker Vereinfachung – folgendermaßen darstellen kann: A + B + A1 + C + A2 + D. Ich verzichtete auch auf die Folklore, sowohl als Zitat als auch in einer anderen, weniger deutlichen Form.

Nach Fertigstellung des Klavierkonzerts und seiner ersten Ausführung zeigte es sich, dass die Verknüpfungen mit meinen früheren Werken viel inniger sind, als dies während der Arbeit selbst schien. In der Orchesterpartie finden sich Annäherungen an Piece for Orchestra No. 1 (1969), String Quartet No. 2 (1970), Piece for Orchestra No. 2 (1970) und Aus aller Welt stammende (1973). Die Solopartie dagegen hat mit meinen anderen Klavierwerken gemeinsame Elemente: Fünf unistische Kompositionen (1963), Falling Water (1971 – 1973) und sogar mit Stone Music (1972) – einem ausschließlich auf den Klaviersaiten ausgeführten Werk. Eine der grundsätzlichen Ähnlichkeiten dieser Klavierwerke mit dem Klavierkonzert ist die Anwesenheit zweier zentraler Töne A und Cis, welche die Achse der genannten Kompositionen bilden. Außerdem zeigte es sich, dass das Element der Folklore, obwohl unterirdisch, trotzdem durch rhythmische Anordnungen und die angewandte Melodik fühlbar ist.

Wenn ich versuche, das Klavierkonzert auf eine eher literarische Weise zu beschreiben, kann ich sagen, dass es mir während der Arbeit an diesem Werke daran lag, diese Musik solle fröhlich und klar sein. Gleichzeitig wünschte ich, der Klavierspieler solle auf dem Hintergrund des Orchesters eine ähnliche Rolle haben, wie dies in den instrumentalen Konzerten der frühen Romantik gewesen war.

Irgendeinmal, bemerkte ich in einem Interview: „… Es gibt Dinge, die für den Komponisten die wichtigsten sind und die dabei am schwersten zu erreichen sind. Unabhängigkeit, Mut und Offenheit. Ungemein selten werden diese Eigenschaften jedoch voll und ganz an den Tag gebracht. Die Komponisten beobachten sich gegenseitig – sie kontrollieren sich. Sie gehen in einer Reihe…“

Während der Arbeit an dem Klavierkonzert halfen mir diese Gedanken, eine persönlichere Note meiner Musik zu finden.

Zygmunt Krauze

Uraufführung

Ort:
Donaueschingen
Datum:
23.10.1976
Orchester:
SWF-Sinfonieorchester
Dirigent:
Ernest Bour

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