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Olivier Messiaen: Oiseaux exotiques

  • für Klavier und kleines Orchester
  • 2 1 4 1 - 2 1 0 0 - Schl(7)
  • Dauer: 16’
  • Solisten:
    Klavier
  • Instrumentierungsdetails:
    kleine Flöte
    Flöte
    Oboe
    kleine Klarinette in Es
    1. Klarinette in B
    2. Klarinette in B
    Bassklarinette in B
    Fagott
    1. Horn in F
    2. Horn in F
    Trompete in C
    Schlagzeug: Xylophon, Glockenspiel, Gongs, Tempelblock, Woodblock, Tam-Tam, kleine Trommel
  • Komponist: Olivier Messiaen
  • Vorwort: Olivier Messiaen
  • Widmung: Yvonne Loriod gewidmet

Werkeinführung

Überspitzt könnte man sagen: diese Musik wurde nicht von einem menschlichen Wesen, sondern von der Natur – von Vögeln – komponiert. Für Klavier und ein kleines Ensemble – bestehend aus Bläsern, Xylophon, Glockenspiel und Schlagzeug – besetzt, hat das 1955/56 entstandene Stück einen ganz einzigartigen Klang und eine ganz einzigartige Atmosphäre. Das Material stammt tatsächlich von exotischen Vögeln: ihre Rufsignale ertönen im Klavierpart wie auch durch die Instrumente: kurze, sich wiederholende Motive, meistens im hohen Register. Mal entsteht ein Dialog zwischen dem Klavier und dem Ensemble, mal spielen sie zusammen, unterbrochen durch kurze Pausen, sowie durch wiederkehrende Abschnitte, wo der tiefe Gong und die ebenfalls tiefen Bläserakkorde sich mit dem Vogelgesang abwechseln. In seiner Werkeinführung schreibt der Komponist liebevoll von den ihn inspirierenden Vögeln, insbesondere von der wundervollen Farbenpracht ihres Gefieders. Olivier Messiaen hat die Vögel wirklich gern gehabt.

Bálint Varga


Das Werk wurde von Pierre Boulez bestellt, für seine Konzerte von Domaine musical. Die Partitur beruht auf den Gesängen exotischer Vögel aus Indien, China, Malaysia und den beiden Amerikas.

Die exotischen Vögel, die in dieser Partitur singen, haben Gefieder in wundervollen Farben. Diese sehr lebhaften Farben sind in der Musik: Alle Farben des Regenbogens kreisen darin, auch das Rot, Farbe der heißen Länder und des schönen Kardinals aus Virginia! Es finden sich die hinduistischen Mainas (schwarz mit gelbem Hals) mit ihren einzigartigen Schreien und das abwechslungsreiche Gezwitscher des goldgestirnten Verdin. Der Trupial aus Baltimore (orange und schwarz gefiedert), der fröhliche Koloraturen schmettert, der Tetras Cupido der Prärien, der Luftsäcke besitzt, die es ihm ermöglichen, geheimnisvolle Glucks­ laute auszustoßen (vom Typ eines Jagdhorns), kontrastierend mit spitzen Schreien, gefolgt von langen Endungen, die immer tiefer werden. Die polyglotte Spottdrossel (grau, rosa, fahlbraun und weiß gerillt) fabriziert volltönende Strophen, staccato, reich an Harmonien, von beschwörend­ zauberhaftem Charakter. Der Katzenvogel (schiefergrau) beginnt seine Strophen mit einem Miauen. Der Schama Indiens (bläuliches Schwarz, oranger Bauch, langer Schwanz, weiß und schwarz abgestuft) ist ein hervorragender Sänger, dessen Repertoire sich aus rhythmisierten Schlägen über zwei unabhängigen Tönen zusammensetzt und geschmetterten Fanfaren von vollem Klang. Seine Stimme wird das Tutti des Finales beherrschen. Der Weißhaubenhäherling ist ein großer Vogel aus dem Himalaya, furchterregend in seinem Äußeren wie in seinem erbarmungslosen Gezeter. Die Wanderamsel, zwei Klarinetten anvertraut, erheitert das zentrale Tutti. Des Weiteren singen: die Swainson-Amsel, die Einsiedlerdrossel und die Walddrossel, deren sonnige Fanfare die erste Kadenz des Klaviersolos beschließt und seine letzte eröffnet.

Das Werk enthält auch griechische und hinduistische Rhythmen, ausgeführt von den Schlaginstrumenten.

Eine kurze Analyse der Form, die sich aus dreizehn Gruppen zusammensetzt: I. Introduktion. – 2. Klavierkadenz (auf hinduistische Majnas und Walddrossel).- 3. Zwischenspiel auf vier Vögel: Malaysia- Verdin, Baltimore­ Trupial, chinesischer Liothrix und kalifornische Drossel (Holzbläser, Glockenspiel, Xylophon). – 4. kurze Klavierkadenz auf den Kardinal aus Virginia.- 5. Fortsetzung des Zwischenspiels auf die genannten vier Vögel. – 6. Dritte Klavierkadenz, auf den Kardinal aus Virginia.-7. Gewitter, Donner über dem Amazonas-Dschungel, Crescendo des Tamtams. Der Tetras Cupido bläht seine Luftsäcke auf und stößt seinen furchterregenden Schrei aus, erst hell, dann dunkel. – 8. Ein zentrales Tutti. Alle Vögel singen gemeinsam einen großen Kontrapunkt, der sich auf vier rhythmische Strophen stützt, die von den Schlaginstrumenten ausgeführt werden und hinduistische und griechische Rhythmen entwickeln. Einige der hinduistischen Rhythmen vermindern sich bei jeder Strophe um eine Sechzehntelnote je Zeiteinheit. Die griechischen Rhythmen hingegen bleiben unerbittlich gleich. Diese starre Unnachgiebigkeit der Rhythmen sowohl in der Veränderung als in der Unveränderlichkeit stellt sich fortlaufend der extremen Freiheit der Melodien der Vogelgesängen entgegen, die sich darüber lagern.- 9. Nach dem Tutti viermaliges Gebrüll des Tetras Cupido, gefolgt von dem Gewitter. – 10. Vierte und sehr lange Klavierkadenz auf den Katzenvogel und den Bobolink, strahlend gespielt in allen Lagen des Instruments.- 11. Großes finales Tutti. Hauptsächlicher Solist ist der indische Schama. Kontrapunkt von hoher Farbigkeit, geführt durch alle Instrumente.- 12. Kurze Klavierkadenz auf die Walddrossel und den Kardinal aus Virginia. – 13. Coda, die das Werk mit dem Gezeter des Weißhaubenhäherlings beschließt, die Vorstellung eines Riesen aus dem Gebirge heraufbeschwörend.

Mehr als die Form und die Rhythmen gilt es jedoch, die Farben der Klänge zu hören und innerlich zu sehen. Da gibt es in den Hornpartien im zweiten Tutti Orange, untermischt mit Gold und Rot; es gibt in der ersten und letzten Klavierkadenz Grün und Gold. Das zentrale Tutti mischt in farbigen Spiralen, in Drehungen verschlungener Regenbögen: Blau­ und Rottöne, Orange und Grün, Violett und Purpur...

Olivier Messiaen

Hörbeispiele

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Uraufführung

Ort:
Paris (FR)
Datum:
10.03.1956
Dirigent:
Albert Rudolf
Hauptsolisten:
Loriod Yvonne (Klavier)

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