20.02.19

König Roger in Graz

Reading time: 2 min. Karol Szymanowski

Die europäische Musik der Jahrhundertwende steht im Zeichen des Klangrausches. In der Nachfolge ­Richard Wagners wird das Orchesterpedal zum Medium ex­zessiver Klanginszenierungen. Das Wort „Klang“ selbst bekommt eine magische Bedeutung.

Zu den Klang-Erotomanen muss auch der polnische Komponist Karol Szymanowski gezählt werden, der 1882 – im Sterbejahr Wagners – geboren wurde. Klammern wir die bewusst polnische Schaffensperiode Szymanowskis einmal aus, so sind viele seiner Werke absolute Klangemanationen. So auch seine Oper König Roger.

Auf seinen Reisen nach Italien und Nord-Afrika in den Jahren 1908 bis 1914 war Szymanowski der Faszination dieser Länder erlegen und hatte reichlich Material gesammelt, das in König Roger seinen Niederschlag fand. Seiner Gattung nach steht die Oper im geheimnisvollen „Niemandsland“ zwischen Oper, Oratorium und Mysterienspiel. In den drei Akten der Oper hat Szymanowski – zum Teil nach authentischem Musikmaterial – drei unterschiedliche Kulturkreise eingefangen: den Byzantismus, den arabisch-indischen Orient und die griechisch-römische Antike.

Die Handlung selbst wurzelt in Euripides’ „Bacchantinnen“ und schildert in drei oratorienhaften Tableaux den Kampf zwischen Apollo und Dionysos, zwischen dem Intellekt und dem Unbewussten, zwischen der christlichen Kirche im mittelalterlichen Sizilien und einem heidnischen Glauben.

Das Libretto, das Szymanowski zusammen mit Jarosław Iwaszkiewicz verfasste, geht dabei nur in den Personen König Rogers II, der von 1130 bis 1154 über Sizilien regierte, und seines Beraters auf historische Fakten zurück. Die Handlung bezieht sich zwar auf zeittypische Gegenbenheiten, ist aber als solche fiktiv.

Entscheidend für diese Oper ist, dass sich Szymanowski als absoluter Meister der Ekstase, der Mystik und des Misterioso erweist.

Karol Szymanowskis Oper König Roger läuft derzeit im Opernhaus Graz. Die neue Produktion wurde von Holger Müller-Brandes inszeniert und die Aufführungen sind unter Roland Kluttig und Robin Engelen geleitet.

 

Lesen Sie die Studienpartitur:

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König Roger

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