21.06.19

Mahlers Symphonie Nr. 7 als „schlankeres und klareres Hörerlebnis“

Reading time: 3 min. Gustav Mahler Klaus Simon Symphonie

Nach der gelungenen Uraufführung von Klaus Simons Fassung der Mahler-Symphonie Nr. 6 findet nun am 15. Juli 2019, anlässlich des dänischen Vendsyssel-Festivals, die Premiere von Simons Mahler-Symphonie Nr. 7 in fünf Sätzen statt. Dirigiert wird die Uraufführung von Leo McFall, der Gewinner des Deutschen Dirigentenpreises 2015 und Finalist beim Salzburger Festival/Nestlé Young Conductors Award 2014. Das jung besetzte Alma-Mahler-Kammerorchester trägt vor.

Bearbeiter Klaus Simon erzählt von seinem Projekt:

„Anfang 2018 erhielt ich vom Alma-Mahler-Kammerorchester (AMK) den Auftrag, für sie Mahlers 7. Symphonie für Kammerorchester bzw. -ensemble einzurichten. Das AMK ist ein projektweise arbeitendes Ensemble mit sehr jungen und hochklassigen Musiker_innen aus ganz Europa, die sich immer wieder mit einem festen Kern zu Arbeitsphasen treffen. Das Niveau ist atemberaubend und für solche jungen begeisterten Musiker_innen diesen Auftrag auszuführen war mir daher ein großes Vergnügen. Da ich gerade die 5. und die 6. vorher arrangiert hatte, kam dieser Auftrag zur rechten Zeit. So konnte ich die Trias seiner sogenannten mittleren Symphonie damit abschließen. Dabei habe ich im Wesentlichen die Maximen meiner Bearbeitungspraxis beibehalten: die Fortsetzung der Arrangiertradition von A. Schönbergs Verein für Musikalische Privataufführungen mit leicht vergrößertem Apparat, den ich seit 2007, als ich „meine“ Mahlers 4. mir zum Bearbeiten vornahm, meine Laufbahn als Arrangeur begann. Dass meine Bearbeitungen warmherzig angenommen werden und weltweit gespielt werden, gab mir die Motivation mich dahingehend immer weiter zu verfeinern.

Besonderheit dieses Arrangements ist, dass ich für den 2. Hornisten als Wechseloption den gelegentlichen Einsatz einer Wagnertube in B geschrieben habe. Somit kann der Klang des originalen Tenorhorns im 1. Satz gut wiedergegeben werden. (Da aber nicht jede/r Hornist/in die Ausbildung bzw. die Möglichkeit hat Wagnertube zu spielen, ist es aber auch möglich, den Part nur auf dem 2. Horn auszuführen. Dafür gibt es eine eigene Ossia-Stimme.) Im 4. Satz, der „Nachtmusik II“ hatte Mahler ja erstmals Gitarre und Mandoline verlangt. Nach reiflicher Überlegung habe ich die Gitarre zugunsten pizzicato-Passagen von Solostreicher_innen zu sublimieren versucht. Mit der Mandoline, die ja zuhauf wirkliche Soli spielt, war das nicht möglich. Ich habe dann am Klavier etwas experimentiert und überlegt, wie man das ohne Substanzverlust als besondere Klangfarbe „ersetzen“ könnte. Nach verschiedenen Versuchen entschied ich mich dann für eine Art „präpariertes Klavier“, bei dem der Spieler mit beschwerten Alu- oder Butterbrotpapier auf den Seiten den gewünschten Mandolineneffekt recht überzeugend darstellen kann.

Ich bin sehr zuversichtlich, das nun nach den sich bereits im Umlauf befindenden Symphonien 1, 4, 5, 6 und 9 und den Wunderhornliedern nun heuer auch die 7. Mahlers in einer „Brennglas“-Version (so mal in einer Kritik gelesen) hoffentlich den Weg in die Welt finden wird. Die meisten Symphonien Mahlers sind somit auch für kleinere Ensembles oder Kammerorchester darstellbar und ermöglichen ein neues und schlankeres, ja klareres Hörerlebnis. Und das war auch schlussendlich Schönbergs Anliegen seines Vereins für Musikalische Privataufführungen.“

 

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