26.06.19

Wolfgang Rihm, Kurt Weill und Gustav Mahler in Aix-en-Provence

Reading time: 4 min. Wolfgang Rihm Kurt Weill Gustav Mahler

Jakob Lenz, 5., 8., 12. Juli 2019

„Er tat Alles wie es die Andern taten, es war aber eine entsetzliche Leere in ihm, er fühlte keine Angst mehr, kein Verlangen; sein Dasein war ihm eine notwendige Last. – So lebte er hin.“ (Georg Büchner: Lenz, 1839).

Wolfgang Rihms 1979 uraufgeführte Kammeroper Jakob Lenz basiert auf Georg Büchners Erzählung Lenz und schildert den dreiwöchigen Aufenthalt des von Anzeichen einer paranoiden Schizophrenie geplagten Sturm-und-Drang-Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz bei Pfarrer Friedrich Oberlin im Elsass. Doch Lenz verliert den Kontakt zu seiner Umgebung, das Außen kehrt sich als verzerrte Projektion ins Innere. Zu den realen Figuren der Erzählung gesellen sich bei Rihms Jakob Lenz sechs Stimmen – Projektionen des inneren Zustands von Lenz, seiner Ängste und Träume, aber auch Stimmen der Umwelt. Ununterscheidbar überlagern sich Wirklichkeit und Halluzination; Lenz’ psychisches Erleben verschmilzt mit dem ihn umgebenden Klang.

Seit der Uraufführung entwickelte sich Rihms Einakter zu einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Opern des 20. Jahrhunderts. Unter Leitung von Ingo Metzmacher führt das Ensemble Modern die Kammeroper mit Georg Nigl als Lenz sowie weiteren renommierten Sängerinnen und Sängern in der Inszenierung von Andrea Breth am 5., 8. und 12. Juli 2019 beim Festival d’Aix-en-Provence auf. Für ihre Inszenierung der Kammeroper, einer Koproduktion der Staatsoper Stuttgart, des Théâtre Royal de La Monnaie (Brüssel) und der Staatsoper Unter den Linden (Berlin) wurde Breth 2015 mit dem renommierten FAUST-Preis in der Kategorie „Regie Musiktheater“ ausgezeichnet.

-Ensemble Modern

Sehen Sie den französischen Teaser der Produktion:

 

Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, 6., 9., 11., 15. Juli 2019

Die grelle Kapitalismuskritik, die in der Oper Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny angelegt ist, hat nichts von ihrer Aktualität verloren. Vielmehr scheint das Werk die Oper der Stunde zu sein. Wie in einem Zerrspiegel scheint sie die Abzocker-Auswüchse unserer Gesellschaft im 21. Jahrhundert vorzuführen. Im „Nie genug“-Rausch, in den sich die Oper in ihrem zweiten Teil steigert, wirkt die Gier des losgelassenen Finanzkapitalismus gut getroffen. Frei nach dem Motto: „Nimm dir das Geld, du darfst es!“.

„Das Stück wird nicht Aktualitäten ausnützen, die nach einem Jahr veraltet sind“, schrieb Kurt Weill 1927 prophetisch an die UE, „sondern es will unsere Zeit in einer endgültigen Form gestalten. Daher wird seine Auswirkung sich weit über seine Entstehungszeit hinaus erstrecken.“ Weill sollte recht behalten. Erstmals zeigt nun das Festival d’Aix-en-Provence diesen Klassiker der Moderne. Es spielt das Orchestre de Paris. Es dirigiert Esa-Pekka Salonen. Besetzung: Ivo van Hove, Karita Mattila, Sir Willard White, Annette Dasch, Nikolai Schukoff, Alan Oke, Sean Panikkar, Thomas Oliemans, Peixin Chen, Sean Panikkar.

Gesungen wird in in Deutsch mit französischen und englischen Untertiteln. Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny - eine neue Produktion des Festivals d'Aix-en-Provence und Koproduktion mit der Dutch National Opera (Amsterdam), The Metropolitan Opera (New York), Opera Ballet Vlaanderen (Antwerpen / Gent), Les Théâtres de la Ville de Luxembourg. Mit Unterstützung der Fondation Meyer pour le développement culturel et artistique.

 

Über die Linie VIII & Das Lied von der Erde, 13. Juli 2019

„Musik antwortet immer auf Musik“, ist einer der Schlüsselsätze von Wolfgang Rihm. Sein Orchesterwerk Über die Linie VIII, uraufgeführt 2012 in Karlsruhe aus Anlass seines 60. Geburtstages, zeigt ihn als virtuosen Klangerfinder, der die Klänge gleichsam aus sich selbst heraus gebiert. Aus einer Keimzelle wächst und verwandelt sich ein Klang, der den Hörer unmittelbar und existenziell berührt.

Das Orchestre de Paris spielt unter der Leitung von Ingo Metzmacher die französische Erstaufführung. Gustav Mahlers Das Lied von der Erde ergänzt das Programm.

Im Zusammenhang dessen bietet der im Juni erschienene Dokumentarfilm „Wolfgang Rihm - über die Linien. Grenzgänger des Klangs“ die Gelegenheit, sich tiefer mit dem Komponisten auseinanderzusetzen.

 

 Lesen Sie die Studienpartituren:

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Über die Linie VIII

 

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Das Lied von der Erde

 

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Jakob Lenz

 

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Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny

 

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