Jay Schwartz: Lament

Jay Schwartz Lament
Lament

Jay Schwartz: Lament

Kompositionsjahr:
2013
Instrumentierung:
für Gesang und Saxophonquartett
Komponist:
Jay Schwartz
Instrumentierungsdetails:
Sopransaxophon in B
Altsaxophon in Es
Tenorsaxophon in B
Baritonsaxophon in Es
Commission:
Auftragswerk von Liederaben.de e.V., Freiburg i. Brg., für Sibylle Kamphues und das Raschèr Saxophone Quartetഀ
Dauer:
12’
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Hörbeispiele

Lament
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Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Die Komposition basiert auf dem Schlussgesang (Lamento) der Dido aus Henry Purcells Oper Dido and Aeneas. Der Gesangstext wurde Nahum Tates Libretto (nach Vergils Aeneis) entnommen:

When I am laid in earth may my wrongs create
No trouble in thy breast,
Remember me, but ah! forget my fate.

Purcell komponierte die Aria auf einem Ostinato-Bass-Fundament, dem sogenannten Lamentobass, der im frühen Barock ein gängiges Bau- und Formprinzip ist und eine mehrfach wiederholte absteigende Bass-Linie mit starker Bewegung zur Dominante darstellt.

Der Lamentobass kommt meiner Affinität für harmonische Gravitation durch und schließlich zu konsonanten Intervallen nahe, wozu ich besonders Glissandi einsetze. Die Vorahnung konsonanter Intervalle und, am stärksten, des Unisonos treibt die Musik unentwegt vorwärts. Diese nachhaltige chronologische Motivation ist, in meinem Verständnis, das Axiom musikalischer Komposition. In ihrem frühesten Stadium wurde die westliche Polyphonie aus dieser Schwerkraft des Unisonos geboren. Ich nenne dieses Phänomen „Trichter‐Duktus“: die einzelnen Linien werden vorwärts zum Unisono getrieben, als wären sie in Verengungen zusammen gebündelt und würden durch ein Nadelöhr gezwungen.

Die Grundlagen der klassischen Harmonie sind zweifelsohne von genau diesem magnetischen Feld des Unisonos motiviert, das die musikalische Vertikale (Harmonie) mit der Horizontalen (Zeit) verbindet. Gleitende Töne (Glissandi) verschärfen die Bewegung zur Konsonanz, indem sie eine unendliche Menge an mikrotonalen Tonstufen vorm Erreichen der Konsonanz durchschreiten.

Bezeichnenderweise legt Purcell den ersten vier Worten der Aria, When I am laid, eine aufsteigende Linie zugrunde, so als würde sich die Gesangslinie einer musikalischen Rhetorik zunächst entziehen wollen – wenngleich der Lamentobass die Semantik des Textes durch die absteigende Linie merklich unterstützt. Um diese scheinbare Indifferenz oder Negation für die Vertonung der Eröffnungsphrase zu unterstreichen und zu intensivieren, habe ich hier eine Serie von immer enger werdenden Intervallen zwischen den Saxophon‐Linien vorgesehen: zuletzt werden die Instrumentallinien in fast penetranter Weise bis zu ihren jeweiligen Obergrenzen emporgetrieben, während der Ostinato‐Bass durch Glissandi und Mikroton‐Cluster makaber abgleitet.

Jay Schwartz

Sonderausgaben

Lament

Jay Schwartz: Lament

Stimmensatz
für Gesang und Saxophonquartett , 12’

Lament

Jay Schwartz: Lament

Studienpartitur
für Gesang und Saxophonquartett , 12’

Premiere

Ort:
Freiburg
Datum:
08.10.2013
Orchester:
Rascher Saxophon-Quartett

Pressestimmen

Zum Höhepunkt des spannenden, klug zusammengestellten Liederabends wird die Uraufführung von Jay Schwartz’ Lament für Gesang und Saxophonquartett. Aus der Einstimmigkeit fächert sich langsam das Klangspektrum auf. Die chorische Atmung des Ensembles lässt die Musik pausenlos fließen. Ganz allmählich sinken die Melodielinien ab in dunkelste Regionen, ehe sie wieder in Glissandi ins grelle Licht aufsteigen. Hier setzt Sibylle Kamphues ein mit dem leicht verfremdetem Lamento „When I am laid in earth” aus Purcells Oper Dido and Aeneas. Seufzer prägen die Melodielinien. Spannungsgeladene Cluster gleiten unmerklich hinüber in tonalere Zonen, ehe am Ende die großartige, tief berührende Komposition ihren Atem aushaucht.

(Georg Rudinger, Badische Zeitung, Freitag 11. Oktober 2013)

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