Max Brand: Maschinist Hopkins

Max Brand Maschinist Hopkins
Maschinist Hopkins

Max Brand: Maschinist Hopkins

Opus:
op. 11
Kompositionsjahr:
1928
Untertitel:
Oper in 1 Vorspiel und 3 Akten
Version:
reduzierte Fassung
Komponist:
Max Brand
Bearbeiter:
Werner Steinmetz (2015)
Instrumentierung:
2 1 1 1 - 2 1 2 1 - Schl(3), Klav, Asax(Es), Str
Instrumentierungsdetails:
1. Flöte (+Picc)
2. Flöte (+2. Picc
Afl(G))
Oboe (+Eh)
Klarinette in B
Altsaxophon in Es
. Fagott
1. Horn in F
2. Horn in F
. Trompete in B
1. Posaune
2. Posaune
. Tuba (+Pk)
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
3. Schlagzeug
Klavier (+Cel)
Violine I
Violine II
Viola
Violoncello
Kontrabass
Dauer:
135’
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Werkeinführung

Mit Maschinist Hopkins (komponiert 1927–1928, uraufgeführt in Duisburg 1929), traf Brand den Puls der damaligen Zeit: Die Oper ist eine Mischung aus Krimi und Eifersuchtstragödie, mit Maschinen- romantik und Revueglanz, unternehmerischer Willkür und Arbeitslosigkeit. Bei aller Spannung fehlt auch nicht ein Zusatz von Liebessentimentalität. ഀ

Die Musik dieser 'ersten deutschen Fabrikoper' ist schlagkräftig, abwechslungsreich, sehr farbig instrumentiert und reizvoll mit modischen Tänzen garniert. In jenen Szenen, die durch persönliche Emotionen gekennzeichnet sind, ist Brands Musiksprache von großer pathetischer Opernhaftigkeit. In den Szenen in der Maschinenhalle setzt der Komponist viele Geräuschkomponenten ein; als dritter stilistischer Kreis wird, ebenfalls zur Charakterisierung einer Lebens- und Emotionssphäre, der Jazz herangezogen. Er symbolisiert die Welt des Lasziven, der Sinnlichkeit.

Der tiefere Sinn des Librettos, das der Komponist selbst verfasst hat, besteht darin, die Arbeit als höchstes Gut der Welt zu verherrlichen. Die handelnden Personen sind eigentlich unwichtig, Triebkraft und Quelle aller Vorgänge ist der Geist der Maschinen, der vom Maschinisten Hopkins verkörpert wird.

Nicht die Maschine soll dem Menschen dienen und ihm ein menschenwürdigeres Dasein ermöglichen, sondern der Mensch ist ein Teil der Maschinenwelt, er dient ihr, um so der Idee der Arbeit zum Sieg zu verhelfen. Daher muss Bill, der die Maschinen für eigene Zwecke missbrauchen will, sterben. Auch Hopkins besitzt keinerlei humane Züge: er ist nur ausführendes Organ der Idee der Maschine, er ist selbst zur Maschine geworden.

Dieses Gedankengut entspricht in seiner Haltung der damals gerade modernen Richtung des Futurismus, einer Strömung, die Technik und Zivilisation für den absoluten Fortschritt hielt und jegliche anderen Werte für gering erachtete.

Bis 1933 wurde Maschinist Hopkins in 37 Inszenierungen über 200mal aufgeführt, und ihr Schöpfer schien auf dem besten Weg, ein berühmter Komponist zu werden. Doch dazu sollte es nicht kommen. Weltwirtschaftskrise und Machtübernahme durch die Nationalsozialisten veranlassten Max Brand 1937 über Prag, Genf und Rio de Janeiro nach New York zu emigrieren.

Sein Maschinist Hopkins wird ein bedeutendes Kunstwerk des 20. Jahrhunderts bleiben, dessen Erfolg auf der Bühne auch heute noch vorprogrammiert scheint.

Inhalt

In einer Kneipe eines Proletarierviertels versammeln sich Fabriksarbeiter, um zusammen mit ihrem Vorarbeiter Jim über ihre Belange zu reden. Einer entfernt sich: der Maschinist Bill. Er begibt sich zu Jims Frau Nell, die ihm völlig hörig ist und die ihm den Schlüssel zum Werkstresor aushändigt, der in Jims Verwahrung steht. Zusammen mit Bill begibt sie sich in die Fabrik, wo Bill die Werkgeheimnisse aus dem Tresor stehlen will. Da erscheint Jim, sieht die nahezu menschliche Züge besitzenden Maschinen in Aufruhr und bemerkt schließlich Bill und Nell. In dem nun folgenden Kampf wird Jim vom Schwungrad einer von Nell eingeschalteten Maschine getötet.

Jahre nach diesem Vorspiel handelt der 1. Akt. Bill und Nell sind verheiratet und dank der gestohlenen Produktionsgeheimnisse ungeheuer reich. Bill hat jedoch nicht genug: er will das Werk, Stätte seines Verbrechens, besitzen und still legen. Der Maschinist Hopkins erkennt die Tragweite des Vorhabens, durch welche zahlreiche Arbeiter brotlos würden, wird aber von Bill sofort nach dessen Machtergreifung entlassen. Nell verliebt sich bei einer kurzen Begegnung in Hopkins. Bill, der seiner launenhaften Frau sämtliche Wünsche erfüllt, gestattet sogar, dass sie zum Theater geht, um Karriere zu machen.

2. Akt: In der Maschinenhalle wird Bill, der neue Direktor des Werkes, von einigen Arbeitern als Mörder Jims erkannt. Hopkins, der sich gerade dort befindet, beschließt Bills Tod, um so das Werk und die Arbeit zu retten. Er erscheint in Nells Theatergarderobe, presst ihr ein Geständnis ab und macht sie sich derart gefügig, dass sie ihm sogar bei seiner Entlarvung Bills behilflich ist.

Wieder einige Zeit später spielt der 3. Akt. Bill ist in der Anonymität eines Arbeiters untergetaucht, während Nell ganz im Banne von Hopkins steht. Dieser stößt sie aber von sich, da sie ihre Pflicht erfüllt hat. Nell wird zur Dirne. Zufällig hört Bill in einer Kneipe übelster Sorte von dem Gewerbe seiner Frau, stürzt sofort in Nells Wohnung, wo sie gerade mit einem Freier erscheint. Völlig außer sich ermordet er Nell. Die letzte Szene spielt wieder in der Maschinenhalle. Der halb wahnsinnige Bill versucht, eine Explosion herbeizuführen, wird daran aber von dem plötzlich erscheinenden Hopkins gehindert, der ihn unter das Schwungrad stößt, so dass er ebenso wie der von ihm ermordete Jim stirbt. Die Arbeit aber geht weiter.

Kommende Aufführungen

30 Nov

Maschinist Hopkins

Wien (AT)

Premiere

Ort:
Wien
Datum:
30.11.2020
Orchester:
Israel Chamber Orchestra
Dirigent:
Martin Sieghart

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