Wolfgang Rihm: Versuchung

Wolfgang Rihm Versuchung
Versuchung

Wolfgang Rihm: Versuchung

Kompositionsjahr:
2008-2009
Untertitel:
Hommage à Max Beckmann
Instrumentierung:
für Violoncello und Orchester
Komponist:
Wolfgang Rihm
Solisten:
Violoncello
Instrumentierung:
1 2 1 2 - 1 1 1 1 - Schl(2), Hf, Klav, Vl(2), Va(3), Vc(3), Kb(2)
Instrumentierungsdetails:
Flöte
Oboe
Englischhorn
Klarinette in A (+Bkl(B))
Fagott
Kontrafagott
Horn in F
Trompete in C
Posaune
Tuba
1. Schlagzeug
2. Schlagzeug
Harfe
Klavier
1. Violine
2. Violine
1. Viola
2. Viola
3. Viola
1. Violoncello
2. Violoncello
3. Violoncello
1. Kontrabass
2. Kontrabass
Commission:
Co-commissioned by ഀ Festival Musica, festival international des musiques d’aujourd’hui de Strasbourg, Franceഀ Casa da Música, Portugal ഀ Festival Ars Musica Brussels, International Contemporary Music Festival, Belgiumഀ Feldkirch Festival, Austria
Dauer:
25’
Mehr Weniger

Hörbeispiele

Versuchung
00:00

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Werkeinführung

Wolfgang Rihm wollte als Kind zuerst Maler werden, dann Schriftsteller und zuletzt Komponist. Der Weg von der Bildenden Kunst zu seinem gewissermaßen objekthaften, körperlich-gestischen Komponieren ist demnach noch kürzer als bislang vermutet. Ganze Werkgruppen veranschaulichen seine enge Beziehung zur Bildenden Kunst, zahlreiche Künstlerfreundschaften zeugen vom ständigen Energiefluss Wolfgang Rihms von und zur Malerei. Sein Komponieren ist ein skulpturales Arbeiten am unendlichen Klang, den er in sich wahrnimmt. „Ich habe die Vorstellung eines großen Musikblocks, der in mir ist. Jede Komposition ist zugleich ein Teil von ihm als auch eine in ihm gemeißelte Physiognomie. […] Mit mir geschieht etwas Ähnliches wie mit meinem Musikblock. Ein Zeitfaden trennt einen bemessenen Teil ab und schafft so erst meine Physiognomie.“

Von Gefährdung und zwanghaftem Handeln erzählen nicht nur die Sujets in Wolfgang Rihms Kompositionen, sondern sie kennzeichnen sein Musik-Schreiben selbst. Musik zu imaginieren, bzw. aus dem unendlich fließenden Musikstrom mit jedem Werk einen neuen Ausschnitt, eine neue Form zu präsentieren, kommt in seiner musikalischen Anschauung obsessivem Handeln gleich. Gefährdet ist der Klang in seiner von Verflüchtigung bedrohten Gegenwärtigkeit ebenso wie der Körper des Komponisten, dessen Hüllkurve im Raum Verzerrungen ausgesetzt ist, dessen „Schnitt ins eigene Fleisch“ (Rihm) ihn innere Räume und Zustände sehen, betreten und wahrnehmen lässt, die fern jedes konventionellen Schönheitsbegriffs liegen und sich eher als unterschiedliche Grade von Brüchigkeit beschreiben lassen.

Um Brüchigkeit der Linie und Gefährdung der Perspektive geht es Wolfgang Rihm in seiner „Hommage à Max Beckmann“ Versuchung für Violoncello und Orchester, mit dem er sich auf Max Beckmanns Triptychon Versuchung (des Heiligen Antonius) aus den 1930er Jahren bezieht. Zur gleichen Zeit entstand eine weitere „Beckmann“-Komposition, Der Maler träumt für Bariton und Orchester, in dem Beckmanns Text Über meine Malerei als Quelle dient.

Tatsächliche schafft Rihm es, in der Beziehung von Soloinstrument und Orchester genau jedes klangfarblich prismatische Aufbersten der einzelnen Linie zu formulieren, das über den Taumel an Boden verliert, um in Anbetracht eben jener Versuchung / Gefährdung des Antonius den freien tonalen Fall in die Abgründe der meist grüblerischen Orchesterstimmen zu überleben. Das Orchester bildet gewissermaßen dasjenige Farb- und Gestenspektrum, das als Rückspiegelung der Solostimme wieder an den Anfang der Inspiration führt, also den Musikstrahl durch das Prisma der Komposition zurück auf den Impuls verdichtet. Chronologie und Erinnerung treffen aufeinander, um den Verlust völliger Unschuld zu betrauern, der Gefährdung / Versuchung jedoch standzuhalten.

Achim Heidenreich

Aus dem Programmheft von MaerzMusik 2012

Sonderausgaben

Versuchung

Wolfgang Rihm: Versuchung

Studienpartitur
für Violoncello und Orchester , 25’
Besetzung: 1 2 1 2 - 1 1 1 1 - Schl(2), Hf, Klav, Vl(2), Va(3), Vc(3), Kb(2)

Versuchung

Wolfgang Rihm: Versuchung

Studienpartitur
für Violoncello und Orchester , 25’
Besetzung: 1 2 1 2 - 1 1 1 1 - Schl(2), Hf, Klav, Vl(2), Va(3), Vc(3), Kb(2)

Versuchung

Wolfgang Rihm: Versuchung

für Violoncello und Orchester , 25’
Besetzung: 1 2 1 2 - 1 1 1 1 - Schl(2), Hf, Klav, Vl(2), Va(3), Vc(3), Kb(2)

Premiere

Ort:
Strasbourg
Datum:
01.10.2009
Orchester:
Les Siecles
Dirigent:
François-Xavier Roth

Weitere Werke von Wolfgang Rihm

Melden Sie sich für unseren Newsletter an!

Sie bekommen regelmäßig Informationen über neue Notenausgaben mit Gratis-Downloads, aktuelle Gewinnspiele und News zu unseren Komponistinnen und Komponisten.