Pierre Boulez: Cummings ist der Dichter

  • für 16 Solostimmen oder gemischten Chor und Instrumente
  • Version 1986
  • 2 2 3 2 - 2 2 2 1 - Hf(3), Vl(3), Va(2), Vc(2), Kb(1)
  • Dauer: 13–14'
  • Solisten:
    4 Sopran
    4 Alt
    4 Tenor
    4 Bass
  • Instrumentierungsdetails:
    1. Flöte
    2. Flöte
    Oboe
    Englischhorn
    1. Klarinette in B
    2. Klarinette in B
    Bassklarinette in B
    1. Fagott
    2. Fagott
    1. Horn in F
    2. Horn in F
    1. Trompete in C
    2. Trompete in C
    1. Posaune
    2. Posaune
    Basstuba
    1. Harfe
    2. Harfe
    3. Harfe
    1. Violine
    2. Violine
    3. Violine
    1. Viola
    2. Viola
    1. Violoncello
    2. Violoncello
    Kontrabass
  • Chor: SATB (bis 48 Stimmen)
  • Komponist: Pierre Boulez
  • Textdichter: E. E. Cummings

Werkeinführung

Pierre Boulez hatte schon 1952, anlässlich seines ersten Aufenthaltes in den USA, die Gedichte des Außenseiters der amerikanischen Literatur, Edward Estlin Cummings, kennengelernt. Was ihn an Cummings sofort fesselte, war die Verschränkung von Aufruhr und Konstruktion. Cummings gehört zu jenen Dichtern, für die sich der Sinn von Sprache nicht darin erschöpft, Vehikel von Ausdruck und Mitteilung zu sein. Sprache war für ihn ebenso Material, das es durch Analyse zu erschließen galt. Allerdings bilden Semantik und Materialcharakter nicht zwei Aspekte der Sprache, die sich gegen jede Vermittlung sperren würden. Vielmehr besteht der Reiz von Cummings’ Arbeiten darin, dass Materialanalysen neue, überraschende Bedeutungsschichten freilegen. Solche Mehrdimensionalität galt es musikalisch einzufangen. So entsprechen der Antinomie Semantik-Material in Boulez’ musikalischer Faktur Gegensätzliches wie Stimmen – Instrumente, Linie – Einzelton, Tonhöhe – Geräusch, Heterophonie – organisierter Zusammenklang, metrisch – ametrisch, bestimmt – unbestimmt. Die kompositorische Hauptarbeit bestand darin, zwischen den einmal exponierten Gegensätzen zu vermitteln. Dass solche Vermittlung bis zur Aufhebung der Gegensätze reichen kann, ist – um nur ein Beispiel zu zitieren – daran abzulesen, dass Boulez von einer gelegentlichen „Orchestrierung der Singstimmen“ spricht. Boulez beschränkte sich nicht nur auf ein Gedicht von Cummings. Vielmehr wählte er insgesamt vier Gedichte aus, die durch Semantik und Materialdisposition eng miteinander verwandt sind.

© Willi Reich (aus dem Programmheft zur Uraufführung)

Hörbeispiele

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Uraufführung

Ort:
Stuttgart (DE)
Datum:
25.09.1970
Orchester:
Mitglieder des Südfunk-SO
Dirigent:
Clytus Gottwald

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