07.09.17

Bohuslav Martinůs Griechische Passion in Schweden

Reading time: 2 min. Bohuslav Martinů

„Die Welt ist ein Mysterium … ein großes Mysterium. … Man kann Gott nicht von den Dämonen unterscheiden. ... Sie sehen sich oft so gleich.“ (Giannakos in Der wiedergekreuzigte Christus von Nikos Kasantsakis).

Die Entstehung von Bohuslav Martinůs Griechischer Passion, in welchem der Komponist den Roman Der wiedergekreuzigte Christus von Nikos Kazantzakis vertonte, kommt selbst einem Drama gleich. Die Ablehnung des ursprünglichen Werks durch das Royal Opera House Covent Garden veranlasste Martinů dazu, die Oper für Zürich umzuschreiben. Die Züricher Fassung wurde erst 1961, zwei Jahre nach seinem Tod, uraufgeführt. Im selben Jahr schrieb die New York Times: „Vor allem aber ist es die Musik, die diese Oper so einprägsam macht. ... obgleich die Harmonien, Rhythmen und Melodien konventionell sind, ist die Art, wie Martinů davon Gebrauch macht, einfallsreich und produktiv ...“.

Die Urfassung wurde später rekonstruiert und als Londoner Fassung von den Bregenzer Festspielen 1999 zur Uraufführung gebracht.

 

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In der Oper wird die christliche Botschaft der Nächstenliebe ad absurdum geführt, als eine Gruppe von Flüchtlingen aus einem kleinen griechischen Dorf vertrieben wird, dessen Bewohner in der Karwoche ein Passionsspiel aufführen. Im Zentrum steht die generelle Frage nach Humanität. Die Passionsgeschichte wird ihrer Einmaligkeit enthoben und erscheint als bloßer Präzedenzfall für das ewige Leid Martinů, der 1940, nachdem Paris von den Nazis besetzt wurde, von Südfrankreich aus in die USA emigrieren musste, hat den Flüchtlingsstatus schmerzlich selbst erfahren müssen. Die griechische Passion gilt als eine seiner einheitlichsten und reifsten Partituren. Martinů hat für dieses spannende und aufwühlende Werk eine Tonsprache entwickelt, die seine früheren musikalischen Erfahrungen mit Elementen griechischer Folklore, griechisch-orthodoxer Liturgie und Tanzmusik verbindet.

Die biblische Geschichte hat bestürzende Aktualität, sie handelt vom Flüchtlingselend, von der Hartherzigkeit der Besitzenden und vom Autoritätsmissbrauch der Führungsschicht.

Die Wermland Opera zeigt von 14. September bis 28. Oktober eine Neuinszenierung der Londoner Fassung von Bohuslav Martinůs Griechischer Passion.

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