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Universal Edition - Vykintas Baltakas – Zur Musik

 

Vykintas Baltakas

Zur Musik

Vykintas Baltakas wurde am 10. Juli 1972 in Vilnius/Litauen geboren. Das Jahr und der Ort sind in seinem Leben bestimmend gewesen: er kam auf die Welt spät genug, um als junger Mann schon von der Freiheit und Offenheit seiner Heimat profitieren zu können. Wenn man seine Biographie anschaut, ist man von seiner ungeheueren Mobilität beeindruckt. Mobil im Sinne der unaufhörlichen Aktivität auch bevor er seine Geburtstadt verließ, um seine Studien im Ausland fortzusetzen, und mobil auch im Sinne der häufigen Ortswechsel, sobald er sich im Westen niederließ. Wohl eine Rastlosigkeit, um möglichst viel kennen zu lernen, möglichst viele Eindrücke zu sammeln, sich weiter zu entwickeln und in verschiedenen Funktionen (als musikalischer Leiter oder gar als Assistent, etwa eines seiner Dirigierlehrer, Peter Eötvös) auszuprobieren.

Als Komponist und Dirigent ist er überall in Europa in Erscheinung getreten – hier seien nur die wichtigsten Städte in seinem bisherigen Leben aufgelistet: außer Vilnius, Karlsruhe, wo er Komponieren bei Wolfgang Rihm und Dirigieren bei Andreas Weiss studierte, Darmstadt wo er immer wieder die Ferienkurse besuchte, Paris, wo er an der Conservatoire National Supérieur studierte und am IRCAM arbeitete und natürlich das belgische Städtchen Wilsele, wo er mit seiner Familie lebt.

In Ost-Europa ist die Volksmusik immer noch Teil des kulturellen Bewusstseins und Selbstverständnisses der Bevölkerung. Pusline (1997-2000) für Kammerensemble oder Poussla (2002/2006) für Ensemble und Orchester berufen sich auf ein „litauisches Instrument mit einer Tierblase als Resonanzkörper, welches sehr scharf klingt“ – so der Komponist. Der Klang dieses Volksinstrumentes war wohl in seinem Kopf, als er die Stücke in Angriff nahm, aber die Musik selbst verrät wenig von der Herkunft des Komponisten. Wohl eher von seinem Denken über Musik, seiner Originalität, die in seinen Programmeinführungen und in seinen Kompositionen beeindruckt und besticht.

Über Poussla schreibt er: „Ein Energiefeld, das in jedem Augenblick präsent ist, sich ständig dreht und immer wieder neue Hörperspektiven bietet. Ein riesiges Rad.“ Über Pasaka/ein Märchen (1995-1997): „Man erzählt ein Märchen. Für sich, für jemand anderen…Es ist unwichtig. Wichtig ist, erzählen zu wollen. Unbedingt! Das ist ein Märchen!!...oder…das ist auch ein Märchen…“

Solche Texte verraten viel über den Komponisten. Mit seiner Musik etwas erzählen zu wollen, mit dem Hörer zu kommunizieren, ihm etwas mitzuteilen: eine wesentliche Grundeinstellung eines Künstlers, auf welchem Gebiet er auch tätig sein mag.

Jahre später entstand ein weiteres Zeugnis für Baltakas’ Bedürfnis, mit seiner Musik zu kommunizieren. Über about to drink dense clouds (2003) für Sprecherin, Kammerensemble und Zuspielband schrieb er einen Einführungstext, der selbst wie ein Märchen anmutet:
Es war einmal…

„Es gab ein Gedicht, einen Gedanken, einen zerbröckelten Gedanken,
einen zerbröckelten Gedanken aus der Antike,
so zerbröckelt, dass er fast kein Gedanke mehr ist.

Ein Fragment eines Gedanken,
Ein Fragment von Simonides.

Nach dem Zitat des Fragments fährt er fort:

Und trotzdem ist ein Gedanke dahinter! Vielleicht sogar ein Gedicht.
Der da war, aber jetzt doch wieder gefunden werden muss.

Nach dem ich auf der Suche bin. Mit meiner Fantasie als Werkzeug.
Damit er wieder spricht.“

Ja, Musik muss sprechen und man wünscht dem jungen Mann aus dem litauischen Märchen viel Glück und Erfolg in der weiten Welt, mit seiner Fantasie als Werkzeug die Instrumente zum Sprechen zu bringen.


Baltakas Krönung WergoBaltakas' (co)ro(na) ist auf Krönung, einer CD der musikFabrik, erschienen. "Krönung" meint dabei nicht das Königtum, sondern Musik, deren Triebe und Blüten ähnlich wie Baumkronen in die Höhe treiben.

Jetzt erhätlich bei Wergo.