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Alfred Schnittke: 4. Streichquartett

  • für Streichquartett
  • Dauer: 25’
  • Instrumentierungsdetails:
    1. Violine
    2. Violine
    Viola
    Violoncello
  • Komponist: Alfred Schnittke
  • Widmung: dem Alban Berg Quartett gewidmet
  • Anmerkungen: BRD=Sikorski

Werkeinführung

Die Streichquartettserie spiegelt – vergleichbar den nunmehr acht Sinfonien – paradigmatisch die Entwicklungsstufen, Kompositionsverfahren und die Verwirklichung ästhetischer Grundsätze in Alfred Schnittkes Schaffen wider. Zwischen dem 1. Streichquartett, das 1966 entstand und dem Borodin-Quartett gewidmet ist, und dem 2. Streichquartett liegen vierzehn Jahre. Dann folgten 1983 das 3. und 1989 das 4. Streichquartett. Während eine frei behandelte Zwölftontechnik für das erste Quartett bestimmend ist, repräsentiert das zweite, dem Andenken der Filmregisseurin Larissa Schepitko gewidmete Quartett einen direkten Bezug zum Tonmaterial des altrussischen Kirchengesangs. Das 3. Streichquartett erweitert diese für Schnittkes Werke so signifikanten polystilistischen „Anleihen“ insofern, als es Zitate von Orlando di Lasso, Ludwig van Beethoven und Dmitrij Schostakowitsch strukturellen Veränderungen unterzieht, die in einem chromatisierten musikalischen Raum im dritten Satz kulminieren.

1989 dann brachte das Alban-Berg[-]Quartett das 4. Streichquartett zur Uraufführung. Die erneute Hinwendung zur Zweiten Wiener Schule schlägt zwar eine Brücke zum ersten Quartett, aber die Klangsprache und die Faktur weisen deutlich andere Wege. Das fünfsätzige Streichquartett enthält gleich drei Lento[-]Abschnitte, die fast rondoartig, aber in stets gewandeltem Charakter in der Satzfolge aufleuchten, Stimmungen und Dynamik jeweils neu bewerten. Dabei wirkt das zurückhaltende erste Lento eher wie eine Introduktion, dem sich ein groß angelegtes, ausdrucksstarkes und kontrastreiches Allegro im zweiten Satz gegenüberstellt. Die Strenge und Schärfe dieses Allegros steht in auffälligem Kontrast zum dritten Satz, sprich zweiten Lento, das aus langen Tönen der ersten Violine erwächst, um sich durch enge Tonschritte immer mehr zu verdichten. Das darauffolgende Vivace durchbricht die Schwermut dieses Satzes, lässt so etwas wie ein hoffnungsvolles Aufleben spüren. Trotzdem ist auch hier eine verzweifelt-dramatische Intensität vorherrschend, die in repetierten Clustern einen Höhepunkt findet, um dann zu verebben. Wieder gibt es einen Attacca-Anschluss des nunmehr fünften Satzes, der ein im Vergleich zum dritten Satz bewegteres Lento vorstellt und der längste Satz des ganzen Quartetts ist. Die gespannte Ruhe der vorhergehenden Lento-Sätze wird hier vorübergehend konterkariert, das Schluß-Lento führt sogar in tröstende harmonische Bereiche. Schließlich endet der Satz nach aufwühlenden Reibungen in einem ersterbenden Pianissimo, das so charakteristisch für viele Kompositionen Schnittkes – nicht nur der 80er Jahre – ist.

Helmut Peters

Hörbeispiele

Uraufführung

Ort:
Konzerthaus, Wien (AT)
Datum:
21.10.1989
Orchester:
Alban Berg Quartett

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