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Luciano Berio: Formazioni

  • für Orchester
  • 4 3 5 3 - 6 4 4 2 - Schl(3), Hf(2), Cel, Asax, Tsax, Str(12 12 12 10 8)
  • Dauer: 20’
  • Instrumentierungsdetails:
    Gruppe A1: 1. Flöte
    2. Flöte
    Oboe
    Englischhorn
    Tenorsaxophon in B
    Fagott
    Gruppe A2: 1. Flöte
    2. Flöte
    Oboe
    Altsaxophon in Es
    Fagott
    Gruppe B1: 1. Horn in F
    2. Horn in F
    3. Horn in F
    1. Trompete in C
    2. Trompete in C
    1. Posaune
    2. Posaune
    Basstuba
    Gruppe B2: 1. Horn in F
    2. Horn in F
    3. Horn in F
    1. Trompete in C
    2. Trompete in C
    1. Posaune
    2. Posaune
    Basstuba
    Gruppe C: kleine Klarinette in Es
    1. Klarinette in B
    2. Klarinette in B
    3. Klarinette in B
    Bassklarinette in B
    Kontrafagott
    Gruppe D: Violine I(12)
    Violine II(12)
    Viola(12)
    Violoncello(10)
    Kontrabass(8)
    Gruppe E: 1. Schlagzeug
    2. Schlagzeug
    3. Schlagzeug
    1. Harfe
    2. Harfe
    Celesta
  • Komponist: Luciano Berio
  • Widmung: dedicato a Alfred Schlee
  • Commission: scritto per la Concertgebouw Orchestra

Werkeinführung

Der Auftrag diente Luciano Berio als Anlass, sich Gedanken über eine neue Aufteilung des Orchesterapparates zu machen. Er gliederte das Orchester in folgende Gruppen:

Gruppe A1:     1. Flöte; 2. Flöte; Oboe; Englischhorn; Tenorsaxophon in B; Fagott;

Gruppe A2:     1. Flöte; 2. Flöte; Oboe; Altsaxophon in Es; Fagott;

Gruppe B1:     1. Horn in F; 2. Horn in F; 3. Horn in F; 1. Trompete in C; 2. Trompete in C; 1. Posaune; 2. Posaune; Basstuba;

Gruppe B2:     1. Horn in F; 2. Horn in F; 3. Horn in F; 1. Trompete in C; 2. Trompete in C; 1.  Posaune; 2. Posaune; Basstuba;

Gruppe C:       kleine Klarinette in Es; 1. Klarinette in B; 2. Klarinette in B; 3. Klarinette in B; Bassklarinette in B; Kontrafagott;

Gruppe D:       Violine I(12); Violine II(12); Viola(12); Violoncello(10); Kontrabass(8);

Gruppe E:       1. Schlagzeug; 2. Schlagzeug; 3. Schlagzeug; 1. Harfe; 2. Harfe; Celesta

Aber – so fragte sich Berio – haben eine Viola und ein Kontrabass unter bestimmten Voraussetzungen nicht weniger gemeinsam als eine Viola und eine Flöte? Gibt es wirklich weniger akustische Verwandtschaft zwischen Horn und Trompete als zwischen einer gestopften Trompete und einer Oboe oder einem Englischhorn?

Das ist es, womit sich – neben anderem – Formazioni befasst: die Beziehungen innerhalb der traditionellen Instrumentenfamilien sind anders verteilt. Aus diesem Grunde ist auch die Orchesteraufstellung ungewöhnlich. Vorne links und hinten rechts befinden sich zwei Holzbläsergruppen, während rechts und links in der Mitte zwei Blechbläsergruppen postiert sind.  Eine sehr wichtige Gruppe von fünf Klarinetten und Kontrafagotten ist in der Mitte des vorderen Bereichs platziert, umgeben von Violinen und Bratschen. Innerhalb der Streicher – ‚dem oft versteckten Zement’ – wie Berio sie nennt,  treten die Violinen zugunsten der Kontrabässe (vorne rechts) zurück. Insgesamt lässt sich die Tendenz beobachten, die tieferen Instrumente nach vorne, die hohen nach hinten zu bringen.

Das Ergebnis der orchestralen ‚Geographie’ ist eine wesentliche neue akustische Perspektive. Schon bei Coro (1974 - 1976), wo jeder der 40 Sänger einem spezifischen Instrument zugeordnet wird, lehrte Berio die Bedeutungen von unterschiedlichen instrumentalen Raumbeziehungen. Auch in Voci (1984 - 1985) für Viola und zwei Instrumentengruppen wurden neue musikalische und akustische Balancen entwickelt.

Die Raumdisposition ist also bestimmend für Formazioni, für die ständige Interaktion dichter Klangmassen und kammermusikartiger Entwicklungen.  Der Komponist selbst spricht von „einem orchestralen Komponieren, das sich aus verschiedenen ‚Kammermusiken’ konstituiert, die ins Extreme gesteigert werden“. Von daher ist eine Aufführung von Formazioni sowohl was das individuelle wie kollektive Spiel betrifft, eine schwierige Aufgabe.  Oft treten sogar identische Instrumentengruppen über die Köpfe anderer Musiker, die gerade eine Solopartie zu spielen haben, in Konflikt miteinander.

Warum der Titel Formazioni? Diese „Formation von Formen“ können beschrieben werden als eine strategische Wechselbeziehung „militärischer Formationen“, genauso gut aber auch als „geologische“ Überlagerungen musikalischer Schichten, die in sich homogen sind.   

Hörbeispiele

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Uraufführung

Ort:
Amsterdam (NL)
Datum:
15.01.1987
Orchester:
Koninklijk Concertgebouworkest
Dirigent:
Riccardo Chailly

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