COVID-19 Update

Trotz der durch das Corona-Virus verursachten Probleme stehen Ihnen unser Webshop und die Kontaktformulare unserer Website voll zur Verfügung. Sie können Ihre Anfragen auch gerne an customer-relations@universaledition.com richten. Wir bitten Sie um Verständnis, wenn die Beantwortung Ihrer Anfragen wegen der bestehenden Beschränkungen länger dauern sollte. Ihr Team der Universal Edition

Wolfgang Rihm: In doppelter Tiefe

  • für 2 Frauenstimmen und Orchester
  • 3 3 3 2 - 4 3 3 1 - Pk, Schl(3), Hf(2), Cel, Str
  • Dauer: 28’
  • Solisten:
    Frauenstimme
  • Instrumentierungsdetails:
    Flöte(3) (+3. Picc)
    Oboe(3) (+3. Eh)
    Klarinette in A(2)
    Bassklarinette in B
    Fagott
    Kontrafagott
    Horn in F(4)
    Trompete in C(3)
    Posaune(3)
    Kontrabasstuba
    Pauken
    Schlagzeug(3)
    Harfe(2)
    Celesta
    Streicher
  • Komponist: Wolfgang Rihm
  • Textdichter: Marinus Lubbe, van der
  • Commission: komponiert im Auftrag von Claudio Abbado und dem Berliner Philharmonischen Orchester

Werkeinführung

Die symphonischen Qualitäten des einsätzigen Orchesterwerkes In doppelter Tiefe (1999), ganz im Sinne der Definition Rihms, verkörpert in der dichten, 81 Seiten langen Partitur auch jenes Moment, wie es von Carl Dahlhaus als bestimmendes Agens der Symphonie seit Beethovens Eorica, op. 55, beschrieben worden ist - nämlich "Symphonie" auch verstanden als das Zeigen des "symphonischen Apparates." Also jenen im Orchesterinstrumentarium nicht nur rein spieltechnischen, sondern auch klang-räumlich-gestalterischen Möglichkeiten, die dem "Symphonischen" als episch-erzählende Dimension innewohnen - in deutlicher Analogie zum Roman seit dem 19. Jahrhundert, mit dem Anspruch hin "auf einen breiten Weltentwurf, auf ein Entwerfen neuer Wirklichkeit" (Jungheinrich). Solches manifestiert sich in In doppelter Tiefe schon zu Beginn, indem die Streicher die emphatische Tonfolge C-B-H (sfffz, "mit größter Vehemenz") intonieren - eine Figur, die sich in zahlreichen Varianten über die ganze Komposition erstreckt. Dabei wechseln sich instrumentaler und vokaler Part im Verlauf des Werkes mehrfach ab, wenn etwa nach der 64 Takte langen instrumentalen Einleitung die zwei Gesangsstimmen die erste Zeile des Gedichtes vortragen, worauf je abwechselnd wiederum ein längerer Instrumentalpart folgt. Und entsprechend eindrucksvoll gestaltet sich auch der Schluß des Werkes, zu den Zeilen "Alles ist schön, und kämpft dafür. In allem: und mit allem"- eine Art 'Morendo'-Passage, die in ihrer ausklingenden fahlen Atmosphäre ein Bergsches 'Aus-dem-Werk-gehen' zu beschwören scheint.

Programmatisch bezieht sich das Werk auf ein Gedicht von Marinus van der Lubbe, dem von den Nazis zu Tode verurteilten vermeintlichen 'Brandstifter' des Berliner Reichstagsbrandes vom 27. Februar 1933. Van der Lubbe, dessen Leichnam seit Januar 1934 als Namenloser auf dem Südfriedhof in Leipzig begraben liegt - "in doppelter Tiefe", entsprechend dem Jargon der "Friedhofsverordnung" -, schrieb das der Vertonung zugrunde liegende Gedicht an die Schönheit, welches einzig durch die deutsche Übersetzung des Gerichtsdolmetschers in den Gerichtsakten erhalten ist. Rihms musikalisches Denkmal gilt somit stellvertretend einem Opfer des Nazi-Regimes, uraufgeführt anläßlich zum Thema "50 Jahre Demokratie in Deutschland": "Bei zufälliger Zeitungslektüre stieß ich auf das Dokument. Schlagartig war Klarheit. Der trübe Anblick dieser zwei Blätter aus dem Gerichtsprotokoll schaffte sofort Helligkeit. Eine eingeschlossene organische Form in dichtestem Kristall ... Der beerdigungstechnische Terminus der 'doppelten Tiefe' gab Titel und Programm. Programm allerdings des künstlerischen Vorgehens, nicht der Rezeption. Kein Hörer muss nach Tiefen-Doubles tauchen. Aber alles Hörbare stammt von einem Grund, der jederzeit einbrechen könnte in Unterkellerungen und subkutane Quellgebiete, die 'oben' noch gar nicht benennbar sind" (Rihm).

Joachim Brügge

Hörbeispiele

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Uraufführung

Ort:
Berlin (DE)
Datum:
29.09.1999
Orchester:
Berliner Philharmonisches Orchester
Dirigent:
Claudio Abbado
Hauptsolisten:
Stella Doufexis, MezzoS, Anna Larsson, A

Zuletzt angesehene Werke

Keine zuvor angesehenen Werke