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Georg Friedrich Haas: Monodie

  • für 18 Instrumente
  • 1 1 2 1 - 1 1 1 0 - Schl(2), Hf, Str(1 1 2 2 1)
  • Dauer: 15’
  • Instrumentierungsdetails:
    Flöte (+Picc
    Afl(G))
    Oboe
    Klarinette in B
    Bassklarinette in B (+Kl(Es))
    Fagott
    Horn in F
    Trompete in C
    Posaune
    Harfe
    1. Schlagzeug
    2. Schlagzeug
    1. Violine
    2. Violine
    1. Viola
    2. Viola
    1. Violoncello
    2. Violoncello
    Kontrabass
  • Komponist: Georg Friedrich Haas
  • Widmung: für Peter Rundel
  • Commission: Auftragswerk der Musik-Biennale Berlin 1999

Werkeinführung

"... Dieses monodische Singen, das in den Opern und Madrigalen Monteverdis seinen künstlerischen Höhepunkt findet, ist Nachahmung des affektgeladenen, in seelischer Erregtheit fluktuierenden, künstlich ins Schauspielerische gesteigerten Sprechens der italienischen Sprache: theatralisch zur Schau gestellte Bewegtheit des Rezitators, der, vom Gehalt des Textes affiziert, die Empfindungen ausdrücken will, als ob sie ihn selbst ganz erfüllen, um den Hörer gleichfalls zu diesen Empfindungen zu bewegen."

(Hans Heinrich Eggebrecht, Art. ‘Monodie’ in Musik in Geschichte und Gegenwart; von Georg Friedrich Haas erläuternd der Partitur beigegeben.)


‘Einzelgesang’, so lautet die wörtliche Übersetzung des griechischen Lehnwortes ‘Monodie’. In der solcherart überschriebenen Komposition von Georg Friedrich Haas geht es freilich nicht restaurativ um das, was die Griechen zur Lyra und die Florentiner zum Generalbaß sangen; auch erhebt sich kein Soloinstrument über einer mehr oder weniger profilierten Begleitung. Monodie ist hier vielmehr ein subtiler roter Faden, der sich durch das Gewebe des virtuos inszenierten Ensembleklangs spinnt.

Dieser rote Faden entsteht vor allem durch die sukzessive Verlagerung dynamischer Akzente: Im Kontinuum des Ensembleklangs werden die Schwellphasen der Instrumente untereinander verschoben, so daß das akkordische Gefüge gleichsam en passant in die Horizontale auseinanderklappt - im Ereignis ‘Zusammenklang’ konturieren sich (melodisch) erzählbare Geschichten zu einer komplex gestaffelten Klangfarbenmonodie. Die einzelnen Instrumente sind dabei mal Hintergrund, mal ‘heroes for a second’, wenn sie für einen kurzen, aufblitzenden Moment an die Außenseite des Klanggeschehens geraten und sich auf diese Weise zu einem monodischen Gesang vernetzen - "nicht mit dramatischem Einsatz, nicht mit ausdrucksvoller Gebärde beginnend, sondern wie ein Nachklang: Als wäre er mit einer Zeit-Lupe betrachtet..." (Georg Friedrich Haas). Aufwärts strebende Teiltonskalen mit Tritonusdominanz werden so durch das Orchester geschickt, durchwandern aber auch imitativ die einzelnen Stimmen.

Eine andere Art, dem Orchester ein virtuelles Soloinstrument einzuschreiben, verfolgt Haas im zweiten Teil. Alle Instrumente spielen denselben Ton, so daß die dynamischen Akzente nun nicht eine Melodie konstituieren, sondern eine rhythmische Textur, die sich alsbald intervallisch anreichert, um sich dann doch zu erneutem unisono zusammenzufinden. Glissandofelder, die die schließlich obwaltende Mikrotonalität verflüssigen, werden nach einem ähnlichen Prinzip strukturiert, und auch blank tonale Harmonien nehmen sich im filigran durchzitterten, mannigfach pulsierenden Gefüge höchst unerhört aus. Am Ende freilich steht exzessiv und apotheotisch eine Aufwärtsskala, von einem nachglimmenden Streicherepilog verabschiedet.

© Horst A. Scholz

aus: Programmheft zur 17. Musik-Biennale Berlin

Hörbeispiele

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Uraufführung

Ort:
Philharmonie, Berlin (DE)
Datum:
17.03.1999
Orchester:
Ensemble Modern
Dirigent:
Peter Rundel

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