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Georg Friedrich Haas: Wer, wenn ich schriee, hörte mich...

  • für Schlagzeug und Ensemble
  • 1 1 2 1 - 1 2 2 1 - Schl, Akk, Ssax, Vl(3), Va(2), Vc(2), Kb(1)
  • Dauer: 25’
  • Solisten:
    Schlagzeug (Crotales, mehrere Hängebecken (verschieden groß), Gongs, Tam-Tam, diverse Metallinstrumente außer Becken und Gongs)
  • Instrumentierungsdetails:
    Flöte (+Picc)
    Oboe (+Eh)
    Klarinette in B (+Kl(Es))
    Bassklarinette in B (+Kl(Es))
    Sopransaxophon in B (+Tsax(B))
    Fagott
    Horn in F
    1. Trompete in C
    2. Trompete in C (+FlgHr)
    1. Posaune
    2. Posaune
    Tuba
    Schlagzeug
    Akkordeon
    1. Violine
    2. Violine
    3. Violine
    1. Viola
    2. Viola
    1. Violoncello
    2. Violoncello
    Kontrabass
  • Komponist: Georg Friedrich Haas
  • Commission: Salzburger Feststpiele

Werkeinführung

Aus einem anschwellenden Tutti-Akkord lösen sich dichte, zunächst improvisierte Solo-Aktionen des Schlagzeugs, geraten ins Stocken, gewinnen von neuem an Tempo, bleiben wieder und wieder stecken. Das Ensemble beginnt mit klanglichen Überblendungen von leiser und lauter werdenden Instrumentalschichten. Wie die Solo-Aktionen, so verharrt auch diese Klangfläche in wiederkehrenden Verlangsamungen und Beschleunigungen, bleibt das Auf- und Abblenden einzelner Orchesterfarben richtungslos. Das Zeitmaß der stets von neuem ansetzenden Ritardando-Figuren wird zwischen Solo und Ensemble bald koordiniert, doch auch in gemeinsamem Rhythmus kommt das Klanggeschehen kaum von der Stelle. Zudem bleibt eine neu hinzukommende Bewegung, in die Tiefe gleitenden Tonfolgen, spiralförmig in sich geschlossen, der unentrinnbaren Wiederholung unterworfen. Ein Ziel ist ebensowenig abzusehen wie auf der in sich geschlossenen Treppe in den gezeichneten Illusionen von Maurits C. Escher.

In einer heftigen Steigerung wird das Bild verscheucht. Die extremen Höhen und Tiefen des Ensembles, die lauten Metallklänge des Solos verstummen - und die kraftvolle Geste hinterläßt einen falschen Frieden: Dreiklänge, die sich schließlich zu leeren Quinten ausdünnen, mikrotonal verschoben werden. Mit leisen, flächigen Metallklängen läßt sich das Schlagzeug wieder hören, und die zunehmend verschobenen Quinten geraten in zweistimmige melodische Bewegungen. Aus dem mixturartigen Klang entsteht ein zweiter dynamischer Höhepunkt, gefolgt von einem erneuten Zusammenbruch. In gleichmäßigem Puls mit indifferenten Akzenten klingt das Stück aus.

Weder das Hören noch das monatelange Komponieren eines Auftragswerks beeinflussen die sich abwechselnden Schreckensmeldungen der Nachrichtensendungen. "Kunst kann nichts verändern, sie kann höchstens etwas beschwören. Jede in der Kunst formulierte Verzweiflung ist schön." (Haas). Der Titel der Komposition beschwört auch diese Hilflosigkeit. Und er setzt die ästhetische Abgehobenheit der Musik in Beziehung zum hohen Ton der Resignation in den Duineser Elegien von Rainer Maria Rilke: "Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen? und gesetzt selbst, es nähme einer mich plötzlich ans Herz: ich verginge von seinem stärkeren Dasein. Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch gerade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich."

© Bernhard Günther

aus: "Next Generation" Programmheft der Salzburger Festspiele 1999

Hörbeispiele

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Uraufführung

Ort:
Salzburg (AT)
Datum:
28.07.1999
Orchester:
Klangforum Wien
Dirigent:
Sylvain Cambreling
Hauptsolisten:
Robin Schulkowsky, perc.

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