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Alban Berg: 5 Orchester-Lieder

  • nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg (1912)
  • für mittlere Stimme und Orchester
  • 3 3 4 3 - 4 3 4 1 - Pk, Schl(5), Hf, Cel, Harm, Klav, Str
  • Dauer: 10’
  • Solisten:
    mittlere Stimme
  • Instrumentierungsdetails:
    1. Flöte
    2. Flöte
    2. Flöte (+ Picc.)
    1. Oboe
    2. Oboe
    3. Oboe (+Eh.)
    1. Klarinette in B
    2. Klarinette in B
    3. Klarinette in B (+Klarinette in Es)
    Bassklarinette in B
    1. Fagott
    2. Fagott
    3. Fagott (+ Kfg.)
    1. Horn in F
    2. Horn in F
    3. Horn in F
    4. Horn in F
    1. Trompete in F
    2. Trompete in F
    3. Trompete in F
    1. Posaune (+ Apos.)
    2. Posaune
    3. Posaune
    4. Posaune
    Basstuba (+ Kbtb.)
    Pauken
    Schlagzeug (3)
    Xylophon
    Glockenspiel
    Harfe
    Celesta
    Klavier
    Harmonium
    Violine I
    Violine II
    Viola
    Violoncello
    Kontrabass
  • Komponist: Alban Berg
  • Klavierauszug: Hans Erich Apostel
  • Herausgeber: Mark DeVoto
  • Textdichter: Peter Altenberg
  • Original-Sprache: Deutsch
  • Übersetzer: A. Kitchin
  • Inhaltsverzeichnis:
    Seele, wie bist du schöner
    Sahst du nach dem Gewitterregen
    Über die Grenzen des All
    Nichts ist gekommen
    Hier ist Friede

Werkeinführung

Für die Neuausgabe von Bergs Fünf Orchester-Liedern nach Ansichtskartentexten von Peter Altenberg op. 4 standen mehr Quellen und Dokumente zur Verfügung, als 1966 beim Erscheinen der ersten Partiturausgabe in der Universal Edition (UE 12124) oder bei dem bereits 1953 publizierten Klavierauszug (UE 12126) bekannt waren. Diese erweiterte Basis stellt für die Auswertung der ohnehin schwierigen Quellenlage eine zusätzliche Herausforderung dar. Die vollständige autografe Orchesterpartitur im Archiv der Universal Edition, Wien – Hauptquelle für diese und die früheren Ausgaben – ist keine einheitliche Quelle; ein Großteil der Niederschrift (die Lieder I-III) ist mit Bleistift notiert; lediglich Lied V ist eine vollständig von Berg mit Tinte ausgeführte Reinschrift. Lied IV ist zwar ebenfalls eine Reinschrift, hier findet sich jedoch neben Bergs Handschrift auch die eines unbekannten Schreibers. Eine endgültige Niederschrift von Bergs Hand kennen wir nicht. Möglicherweise fertigte er für seinen Lehrer Schönberg eine solche an, aber selbst die Kopistenabschrift, die er im Jänner 1913 nachweislich an Schönberg sandte, ist nicht erhalten.

Für die Edition ist die Entdeckung der neuen Quellen dennoch von grundsätzlicher Bedeutung, vor allem das autografe Particell zu Lied I (Tinte), das sich neuerdings im Archiv der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien befindet. (1)

Berg schloss die Komposition der Altenberglieder Ende 1912 ab, die ersten Skizzen reichen aber möglicherweise bis November 1911 zurück: In einem Notizbuch mit einigen wenigen Entwürfen zu den ersten beiden Liedern finden sich nämlich auch Bemerkungen über Mahlers Lied von der Erde, dessen Uraufführung Berg am 20. November 1911 in München miterlebte. Für die Lieder III-V sind außer einigen vereinzelten Takten keine Skizzen bekannt.

Bekanntlich löste die erste Aufführung der Altenberglieder am 31. März 1913 in Wien Proteststürme im Publikum aus; ein Ereignis, das unter dem Begriff „Skandalkonzert“ in die Geschichte eingegangen ist. Noch dazu weiß man ziemlich sicher, dass Schönberg, der das Konzert leitete, Bergs Lieder ablehnte. Das Missfallen seines verehrten Lehrers sowie die katastrophale Reaktion des Publikums auf sein erstes Orchesterwerk kränkten Berg so tief, dass er nie wieder einen Versuch unternahm, die Lieder zur Aufführung zu bringen. Dennoch veröffentlichte er das fünfte Lied 1921 als Klavierauszug. Die Spekulation sei gestattet, dass Berg unter weniger unglücklichen Umständen wohl eine Reinschrift der Partitur für den Stich hergestellt und auch die Stadien der Drucklegung überwacht haben würde.

Eine vollständige Aufführung der Altenberglieder erfolgte erst in den Jahren 1952 und 1953 (in Paris bzw. Rom unter Jascha Horenstein). Seitdem haben sich die Lieder allmählich als wichtiger Bestandteil im Repertoire der Musik des 20. Jahrhunderts durchgesetzt, wenn sie auch nie die Popularität von Bergs Opern oder dem Violinkonzert erreicht haben – was wohl nicht zuletzt durch die geschilderten Umstände bedingt ist.

Die Altenberglieder zeichnen sich durch eine bemerkenswert ausgeklügelte und originelle Architektur aus. Hier fällt vor allem die enge Verschränkung der Motive zwischen dem ersten und dem fünften Lied auf. Das zwölftönige Passacagliathema in Lied V und die mit ihm verwandte Melodie der Viola im Lied I ab T. 12 sind Vorahnungen der Reihentechnik, die Schönberg ein Jahrzehnt später entwickeln sollte. Die harmonische Verwandtschaft der zwei fünftönigen Akkorde im ersten Lied, T. 14-15, mit ihrer Umkehrung im fünften Lied, T. 50-55, bewirkt eine übergeordnete Bogenform für den Zyklus. Durch derartige strukturelle Merkmale sind die Altenberglieder als bedeutender Meilenstein in jener historischen Entwicklung zu sehen, die schließlich in Schönbergs Zwölfton-Technik ihren Höhepunkt erreicht. Sie sollte weitreichende Folgen auf kommende Komponistengenerationen haben und kann heute als das gemeinsame Ergebnis einer intensiven Suche nach struktureller Einheit und Übersichtlichkeit gewertet werden, die alle drei Komponisten der Wiener Schule verbindet.

Mark DeVoto, Mai 1997

1) Näheres dazu siehe Alban Berg, Sämtliche Werke Bd. I/6, Orchestergesänge, sowie die vollständige Beschreibung aller

Hörbeispiele

Die gesamte Ansichtspartitur (PDF-Vorschau)

Uraufführung

Ort:
Musikverein, Wien (AT)
Datum:
31.03.1913
Dirigent:
Arnold Schönberg

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