Alban Berg: Lyrische Suite

  • für Streichquartett
  • Dauer: 32’
  • Instrumentierungsdetails:
    1. Violine
    2. Violine
    Viola
    Violoncello
  • Komponist: Alban Berg
  • Inhaltsverzeichnis:
    Allegretto gioviale
    Andante amoroso
    Allegro misterioso - Trio estatico
    Adagio appassionato
    Presto delirando - Tenebroso - di nuovo tenebroso
    Largo desolato
  • Widmung: Alexander von Zemlinsky zugeeignet

Werkeinführung

Die Lyrische Suite entstand 16 Jahre nach dem ersten Streichquartett. Es ist Alexander von Zemlinsky zugeeignet, aus dessen Lyrischen Symphonie zwei Zitate im vierten Satz inkludiert sind. Ein weiteres Zitat – das des Sehnsuchtsmotivs aus Wagners Tristan und Isolde – erklingt im letzten Satz des Streichquartetts.

Man könnte das Werk wie eine Beichte begreifen, das Geständnis geheim gehaltener Emotionen, Leidenschaften. Oder auch wie eine Novelle in Tönen, in sechs Kapiteln, die dem Geheimnis immer näher kommen. Der erste Satz ist noch leichtsinnig, mit Alban Bergs Bezeichnung gioviale. Der zweite bringt die Botschaft auf den Punkt: Andante amoroso; er ist eine scheue Bekenntnis der Liebe, die im zweiten und dritten Abschnitt immer leidenschaftlicher und anflehender wird. Der dritte Satz trägt die Bezeichnung Allegro misterioso, mit einem durchweg forte zu spielenden Trio estatico. Den vierten Satz charakterisiert Berg mit dem Adjektiv Adagio appassionato. Der vorletzte Satz (Presto delirando) ist schon ein starker Hinweis, dass der Liebende wenig Hoffnung auf Erfüllung hegen kann, und dieser Eindruck wird im letzten Satz, Largo desolato, bestätigt. Der Satz und das Stück verabschieden sich auf der allein gebliebenen Bratsche, die morendo aufhört zu spielen. Das Vorhandensein einer Geschichte, sowie die Intensität der Emotionen könnten Adornos Feststellung inspiriert haben, die Lyrische Suite sei eine „latente Oper.”

Bálint Varga

Hörbeispiele

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