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Friedrich Cerha: 3. Streichquartett

  • für Streichquartett
  • Dauer: 19’
  • Instrumentierungsdetails:
    1. Violine
    2. Violine
    Viola
    Violoncello
  • Komponist: Friedrich Cerha

Werkeinführung

Es gehört zu den Charakteristika meiner künstlerischen Entwicklung, mit einigen Werken immer wieder in für mich neue Vorstellungsbereiche vorzustoßen und das Erreichte dann in weiteren Stücken möglichst organisch in meine bisherigen Erfahrungen einzubinden. Das dritte Streichquartett gehört sicher der letzteren Phase an. Im Gegensatz zur Einsätzigkeit meiner ersten beiden Quartette besteht das dritte aus sechs kurzen Sätzen. Die Sätze zwei bis vier sind im Herbst 1991 entstanden, eins, fünf und sechs während einer schweren Krankheit im Dezember und im Jänner 1992. 

Elemente außereuropäischer Folklore, die in den ersten beiden Quartetten vielfältig zur Grundlage des Geschehens wurden, spielen hier eine sehr untergeordnete Rolle. Es gibt zwar Vierteltonbildungen, sie sind aber bedeutend sparsamer eingesetzt. Alles ist abgestellt auf scharfe, klare Zeichnung der mitunter rasch wechselnden Charaktere, auf knappe, deutliche Darstellung des oft expressiven musikalischen Verlaufs. 

Der erste Satz ist geprägt durch ein Gegensatzpaar, einen Furioso-Abschnitt und einen etwas ruhigeren, kantableren Teil. Eine neuerliche Furioso-Partie beginnt mit einem absteigenden Quintolengang der Viola und führt in den stark variierten Anfang zurück. Der nächste ruhigere Abschnitt bringt in der ersten Geige und Bratsche die Umkehrung eines kantablen Cello-Motivs aus dem ersten ruhigen Teil. Ein letztes Furioso wird mit dem Quintolengang eingeleitet und kehrt nochmals zum Beginn zurück. 

Der zweite Satz ist dreiteilig. Im ersten Abschnitt weitet sich eine am Steg gespielte pp-Bewegung in Achteln immer mehr aus. Sie geschieht über regelmäßigen Vierteln im Cello, wobei bei jeder Wiederholung das Anfangsmotiv verlängert wird. Zu Beginn hat es drei Töne, am Ende des ersten Teils neunzehn. Der dritte Teil nimmt die sul-ponticello-Achtelbewegung des ersten wieder auf, die am Schluß im pppp verebbt. Das Violoncello hat in Umkehrung des Vorgangs im ersten Teil am Anfang eine Folge von vierzehn Tönen, die sich bei jeder Wiederholung von hinten her verkürzt und mit dem ersten Ton endet. Die beiden Teile schließen eine kantable Episode ein, die einer meiner »Slowakischen Erinnerungen aus der Kindheit« (eine Sammlung von kleinen Klavierstücken) entnommen ist. 

Der dritte Satz ist der älteste. Er ist aus Anlaß des 90. Geburtstags von Alfred Schlee, dem ehemaligen Direktor der Universal Edition entstanden. Der erste Abschnitt ist dreiteilig. Lebhaften Sechzehntelgängen folgen kurze Akkorde der beiden Geigen in gleichen Abständen (Achtelquintolen). Der dritte Teil ist bestimmt durch eine von zentralafrikanischen Motivtypen angeregte Linie der Bratsche. Nach einem Ruhepunkt folgt ein knapper, durchführungsartiger Abschnitt und nach einem weiteren Ruhepunkt eine äußerst verkürzte Reprise des dreigliedrigen ersten Teil. 

Der vierte Satz, Intermezzo übertitelt, kommt aus einem Bereich, den ich für mich als meinen Janacek-Komplex bezeichnet habe. Durch synkopierte Bewegungen bestimmte Abschnitte wechseln mit solchen, die durch eine scherzando-Sechzehntelbewegung im Spiccato geprägt sind und solchen in ruhiger Achtelbewegung. Zweimal treten auch in abgewandelter Form die gleichmäßigen Akkordschläge des ersten Satzes auf.
Der fünfte Satz ist ruhig und con sordino gespielt. Die Melodie der Bratsche übernimmt später die Geige in hoher Lage zu einer gleichmäßigen Achtelbewegung der übrigen Streicher. Kurz wird im Cello eine synkopierte Stelle aus meinem »Phantasiestück in C.'s Manier« zitiert, deren Wurzeln in meiner Auseinandersetzung mit papuanischer Musik zu finden sind. Der Satz schließt mit der genannten Achtelbewegung im Fortissimo. 

Der attacca anschließende sechste Satz ist eine Art Perpetuum mobile. Alles bewegt sich in rasender Sechzehntelbewegung im Sechsachtel- bzw. im Neunachteltakt. Die Dynamik bleibt im Bereich zwischen p und pppp, in dem der Spuk endet.

Friedrich Cerha

Hörbeispiele

Uraufführung

Ort:
Konzerthaus, Wien (AT)
Datum:
03.05.1992
Orchester:
Arditti String Quartet

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